Der Zeitplan wankt: Ob Finanzberater ihre Kunden tatsächlich schon ab August 2022 fragen müssen, ob und wenn ja welche ESG-Kriterien sie bei der Geldanlage berücksichtigt wissen wollen, ist offen (FONDS professionell ONLINE berichtete). Dennoch: Dass die Abfrage der sogenannten Nachhaltigkeitspräferenzen eines Tages von der Kür zur Pflicht wird, ist klar. Berater, die sich noch nicht intensiv mit nachhaltigen Investments beschäftigt haben, sollten sich daher besser schon heute als morgen mit der Materie auseinandersetzen.

Wer Nachhaltigkeitsfonds vergleichen möchte, stößt jedoch schnell auf eine Herausforderung: Jeder Anbieter handhabt das Thema anders. Ob Anlagestrategie, Ausschlusskriterien oder Engagement-Politik: Einen etablierten Branchenstandard gibt es nicht. Schon Anfang 2010 ging eine Arbeitsgruppe um Ingo Scheulen, Gründer des Beraternetzwerks Ökofinanz-21, das Problem an. Die Experten entwickelten zwei hilfreiche Werkzeuge, das FNG-Nachhaltigkeitsprofil und die FNG-Matrix, die über die Website des Forums Nachhaltige Geldanlagen abrufbar sind.

"Profil" und "Matrix"
Das FNG-Nachhaltigkeitsprofil ist ein PDF-Dokument, das auf wenigen Seiten einen standardisierten Überblick zum Nachhaltigkeitsansatz des Fonds und weitere Eckdaten bietet. So ist beispielsweise klar ersichtlich, ob der Manager Investments in Kernenergie ausschließt oder nicht. Das kann dem Berater, der sonst tief in den Verkaufsprospekt einsteigen müsste, viel Arbeit ersparen.

Die FNG-Matrix ist eine laufend aktualisierte Datenbank, in der sich die Fonds nach Anlageklasse, Nachhaltigkeitsansatz, Ausschlusskriterien und ESG-Siegeln sortieren lassen. Lange Zeit gab es die Matrix nur als Excel-Dokument, mittlerweile ist es ein komfortabel zu bedienendes Online-Tool mit Link zum jeweiligen Nachhaltigkeitsprofil.

Vor- und Nachteile
Der große Vorteil der beiden Instrumente ist die Tatsache, dass sie einen schnellen Überblick geben und einfache Vergleiche ermöglichen. Für die Anbieter, die die Daten einpflegen, fallen keine Kosten an, darum ist die Datenbank mit aktuell 570 Fonds recht umfangreich.

Die Eingabe durch die Fondsgesellschaften ist zugleich der Nachteil: Die Nutzer müssen sich darauf verlassen, dass die Daten korrekt sind, denn eine unabhängige Überprüfung gibt es nicht. Manche Angaben in den FNG-Profilen wurden zudem lange nicht aktualisiert. (bm)


Einen ausführlichen Beitrag, wie sich Anlageberater schon heute auf die künftig verpflichtende Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen vorbereiten können, lesen Sie in FONDS professionell 4/2021 ab Seite 282. Angemeldete Nutzer können den Artikel auch hier im E-Magazin abrufen.