Der Streit zwischen Liebhabern aktiv verwalteter Fonds und Fans passiver Anlageinstrumente darüber, welche Anlagevariante nach Abzug von Kosten höhere Netto-Renditen bringt, gehört zu den Dauer-Debatten des Asset Managements, und ein Ende ist nicht in Sicht. Kurz vor Ausbruch der Covid-19-Pandemie ist indes eine Studie erschienen, die darauf hindeutet, dass ETFs Anlegern keinen Mehrwert bieten, sondern oft sogar schlechter abschneiden als aktive Fonds. Die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) berichtet über diese Untersuchung mit dem Titel "The Peformance of Exchange-Traded Funds". David Blitz und Milan Vidojevic vom Fondsanbieter Robeco stellen darin fest, dass die Begeisterung für ETFs aus Wertentwicklungssicht unbegründet sei.

In den Jahren 2004 bis 2017 hätten US-Aktien-ETFs demnach im Schnitt 0,75 Prozentpunkte Minderrendite erzielt, schreiben die Robeco-Experten. Damit nicht genug: Immerhin 60 Prozent der untersuchten Passivpapiere waren unter Performancegesichtspunkten solche Minderleister. Anders das Bild aufseiten der aktiven Herausforderer: Zwischen 1984 und 2006 hätten zwar auch diese laut Daten der renommierten Wirtschaftswissenschaftler Eugene Fama und Kenneth French eine Underperformance von 1,13 Prozentpunkten gehabt. Berücksichtige man jedoch, dass die Gebühren von aktiven Fonds in den zurückliegenden 15 Jahren gehörig unter Druck standen, erscheine der Performance-Vorteil der ETF nicht sehr groß.

Dieses Studienergebnis ist aufsehenerregend – umso mehr, weil es aktiven Fonds anderen Untersuchungen zufolge höchstens selektiv gelingt, Indextracker zu übertreffen. Liefert die Ausarbeitung den Fürsprechern aktiv verwalteter Produkte nun das Argument, mit dem sie die Aktiv-Passiv-Debatte endgültig für sich entscheiden können? Eher nicht, stellt NZZ-Redakteur Michael Schäfer fest.

Zweifelhaftes Vorgehen
Die Krux an der Robeco-Studie: Die Autoren haben die Wertentwicklung von ETFs nicht mit jener der ihnen zugrundeliegenden Referenzindizes verglichen, sondern stets mit der Performance des breiten Marktes. Dass Indextracker bei dieser Betrachtungsweise schlechter abgeschnitten haben als aktive Fonds, war zahlreichen in die Auswertung einbezogenen Sektor-, Themen- und Faktor-ETFs geschuldet, die gezielt etwa Luxusgüter-, Elektromobilität- oder Value-Barometer nachbilden. "Es wurden also Äpfel mit Birnen verglichen", konstatiert die NZZ. "Dass ein Value-ETF im Vergleich zum Markt schlecht abschneidet, wenn der entsprechende Value-Index hinter dem Markt herhinkt, wie es seit mehr als zehn Jahren zu beobachten ist, ist zu erwarten."

Die Studie belege zwar, dass einzelne Investmentthemen in bestimmten Zeiträumen schlechter liefen als der breite Markt – aber auch nicht mehr und nicht weniger. Über die Vor- oder Nachteile passiven Investierens sagt sie dagegen nichts aus. Der NZZ zufolge können Anleger aus der Untersuchung trotzdem etwas lernen: etwa über die Schwächen eng gefasster Spezial-Papiere, die in den vergangenen Jahren massenhaft lanciert wurden und die sich bei Investoren großer Beliebtheit erfreuen. (fp)