Bei Union Investment verlangsamen sich die Anteilsrückgaben bei Immobilienfonds für Privatanleger. Das erklärte André Haagmann, der neue Vorstandschef der DZ-Bank-Tochter, in einem Interview mit "Bloomberg News". In diesem sprach er auch über seine Pläne für das Altersvorsorgedepot, den weiter zunehmenden Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) und Fusionen in der Asset-Management-Branche.

"Ich denke, bei den Rückgaben von Anteilen bei unseren offenen Immobilien-Publikumsfonds für Privatanleger haben wir den Peak hinter uns. Vorausgesetzt, es gibt keine Schocks wie einen dramatischen Zinsanstieg", sagte Haagmann. Zuletzt seien die Anmeldungen für Anteilsrückgaben bereits "merklich zurückgegangen".

Fast fünf Milliarden Euro Abflüsse
In den zurückliegenden Jahren hatte Union Investment deutliche Abflüsse verzeichnet. Unterm Strich summierten sich die Nettomittelabflüsse in den Gewerbeimmobilien-Retailfonds zwischen 2023 und Ende Mai 2026 auf 4,89 Milliarden Euro.

Vor rund vier Jahren waren die Bewertungen von Gewerbeimmobilien aufgrund damals stark steigender Zinsen und dem Trend zum Homeoffice branchenweit unter Druck geraten. Inzwischen hat sich die Lage jedoch zumindest stabilisiert. "Der Immobilienmarkt vollzieht einen strukturellen Wandel", sagte Haagmann. "Das Transaktionsvolumen liegt deutlich unter dem Niveau, das wir vor 2022 gesehen haben."

"Verkäufe über dem Sachverständigenwert"
Union Investment habe 2022 angefangen, durch Verkäufe Liquidität für die eigenen offenen Immobilien-Publikumsfonds für Privatanleger zu schaffen. In den meisten Fällen sind Haagmann zufolge "Verkäufe über dem Sachverständigenwert gelungen". Unlängst war Union Investment Real Estate wieder als Käufer von Immobilien in den Markt zurückgekehrt.

Das größte Sorgenkind des Fondsanbieters wird indes nicht von Union Investment Real Estate verwaltet, sondern von der auf Wohnimmobilien spezialisierten Tochtergesellschaft ZBI. Der Uniimmo: Wohnen ZBI hatte vor zwei Jahren eine deutliche Wertberichtigung vornehmen müssen – das bis dahin deutlichste Zeichen der Branchenkrise. Seither haben mehrere andere Anbieter offener Immobilienfonds die Anteilscheinrücknahme aussetzen müssen, Kanam Grund schickte den Leading Cities Invest sogar in die Abwicklung.

"Bei Private Debt sind wir zurückhaltend"
Haagmann hofft derweil, dass sich alternative Anlagen jenseits von Aktien und Bonds bei privaten Anlegern etablieren. "Alternatives sind heute schon Bestandteil der Investments vieler institutioneller Anleger. Das müssen wir auch für Retailkunden erreichen", sagte er. Die Niedrigzinsphase habe gezeigt, dass Alternatives ein Depot ausbalancieren könnten.

Für institutionelle Investoren bietet Union Investment bereits eine Reihe von Infrastruktur- und Private-Equity-Fonds an. Ein weiterer soll im zweiten Halbjahr hinzukommen. Um Private Debt macht das Fondshaus allerdings einen großen Bogen. "Bei Private Debt sind wir zurückhaltend. Allein schon deshalb, weil wir die Kompetenzen nicht haben. Es gibt keine Pläne, Private-Debt-Fonds aufzulegen", sagte Haagmann.

Gemeint ist mit Private Debt oder Private Credit in der Regel die Vergabe von Krediten durch Handelnde außerhalb des Bankensektors. Dieser Markt war zuletzt unter Druck geraten, besonders in den USA. Dahinter standen unter anderem Sorgen um womöglich aufgeweichte Kreditvergabestandards sowie die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf bestimmte Wirtschaftszweige, beispielsweise Software. Mehrere Private-Credit-Anbieter begrenzten die Abflüsse von Anlagegeldern.

Altersvorsorgedepot-Lösungen in Arbeit
Als einen Paradigmenwechsel in Deutschland bezeichnete Haagmann die Reformen der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge, also Frühstart-Rente und Altersvorsorgedepot. Junge Leute würden nun an den Kapitalmarkt herangeführt. "Die Deutschen sparen zu wenig kapitalmarktorientiert. Das muss sich ändern", sagte Haagmann. Nur rund 20 Prozent der Deutschen würden Aktien oder Fonds besitzen. Es gebe also noch viel Potenzial nach oben und Nachholbedarf.

Derzeit befinde sich Union Investment in der Produktentwicklung. Der Anbieter kündigte bereits eine Lösung namens "Univorsorge" an. "Unser Ziel ist eine signifikante Steigerung des Zwölf-Monats-Sparvolumens durch die Altersvorsorgedepots", sagte Haagmann. Gemeint sind hier Sparpläne, Einmalanlagen sind nicht enthalten.

"Wir werden manche Stellen nicht mehr nachbesetzen"
Im Fokus steht bei Union Investment auch die KI. Die Investitionen des Unternehmens in diesem Bereich dürften Haagmann zufolge in den nächsten Jahren signifikant zunehmen. Bestimmte Funktionen, die heute noch vom Menschen wahrgenommen werden, würden künftig über die KI laufen – und einige Tätigkeiten entfallen. "Wir werden manche offene Stellen nicht mehr nachbesetzen", sagte Haagmann mit Blick auf den demografischen Wandel, der auch vor Union Investment nicht haltmacht. Bis 2035 wird wohl ein Viertel der Mitarbeiter in Rente gehen. "Wir wollen weiter wachsen, werden das dank KI aber wohl ohne einen signifikanten Mitarbeiteraufbau erreichen."

Offen zeigte sich Haagmann zudem für Übernahmen, wenn sie ökonomischen Nutzen bringen und die Kompetenzen oder das Kundenpotenzial der Fondsgesellschaft erweitern. Zudem müsse es von der Firmenkultur her passen. "Mit Blick auf Kompetenzerweiterung sind beispielsweise Übernahmen im Bereich Alternatives interessant, vor allem Infrastruktur und Private Equity", sagte Haagmann. Er gehe davon aus, dass es in der Asset-Management-Branche in Deutschland mehr Übernahmen und Fusionen geben werde. (Bloomberg/bm)