Das Rating "PKV-Beitragsstabilität" des Analysehauses Morgen & Morgen zeigt, dass die Beiträge im Neugeschäft der privaten Krankenversicherung (PKV) weiterhin steigen – auch wenn das Plus mit durchschnittlich 2,53 Prozent recht moderat ausfällt. "Die steigende Tendenz der Beiträge im Neugeschäft lässt sich mit den langsam alternden Beständen der Unisex-Tarifgeneration begründen", sagt Versicherungsanalyst Thorsten Bohrmann.

Kürzlich war der "PKV-Marktausblick 2021/2022" der Ratingagentur Assekurata bezüglich der Beitragsanpassung kritischer ausgefallen. "Bereits zu Beginn 2021 hatten die Gesellschaften die Beträge auch in der Vollversicherung marktweit so stark angepasst wie seit 2010 nicht mehr", berichtet Gerhard Reichl, Fachkoordinator Krankenversicherung. Im Durchschnitt der von Assekurata bewerteten Gesellschaften legten die Bestandsbeiträge im Beihilfesegment um 5,7 Prozent und im Nicht-Beihilfebereich um 7,7 Prozent zu.

Allgemeine Beitragsstabilität hilft indirekt
Das Thema Beitragsanpassung ist eine der wohl größten Herausforderungen im Rahmen der PKV-Beratung. Oft besteht die Sorge der Kunden, im Alter einen hohen Beitrag zahlen zu müssen, da zu den gestiegenen Beiträgen noch der Wegfall des Arbeitgeberanteils hinzukommt. Die oben genannten Analysen helfen Maklern jedoch wenig, wenn sie einen nachhaltig kalkulierten, beitragsstabilen und zugleich leistungsstarken Vollkostentarif mit sehr gutem Rating und soliden Bilanzen für besserverdienende Angestellte suchen und einen konkreten Preis nennen sollen.

Beim jüngsten PKV-Rating des Marktinformationsdienstes Map-Report aus dem Hause Franke und Bornberg wurden 13 Anbieter in den Bereichen Bilanz, Service sowie Vertrag untersucht. Was den Vertrag angeht, wurden auch die Beiträge der Vollkostenversicherung für Angestellte einbezogen. Allgemein steigen die Beiträge vom Jahr 2000 bis heute in der Beispielrechnung des Angestellten im Schnitt um knapp 3,9 Prozent pro Jahr. Zum Jahresbeginn 2021 kletterte der Beitrag durchschnittlich um fast sechs Prozent.

Die drei beitragsstabilsten Anbieter für Angestellte
Konkret gibt es im PKV-Rating vom Map-Report zwar keinen Preis-Leistungsvergleich, aber Musterrechnungen für diesen Modellfall: Abschluss am 1. Januar 2000 für einen kaufmännischen Angestellten (damals 32), Chefarztbehandlung, Unterbringung im Zweibettzimmer, Selbstbehalt 150 bis 400 Euro, kein Krankentagegeld, alle Angaben ohne Pflege-Pflichtversicherung. Zudem soll der seit 2000 vorgeschriebene Beitragszuschlag von zehn Prozent beziehungsweise dessen Nachlässe ab dem Alter 65 berücksichtigt werden.

Ergebnis: Über 20 Jahre im Bestand desselben Tarifs schaffen es nur drei Gesellschaften, die durchschnittliche jährliche Beitragsanhebung unter drei Prozent zu halten: Signal Iduna (2,83 Prozent), Mecklenburgische (2,87 Prozent) und Concordia (2,99 Prozent). Im Gesamt-Rating des Map-Reports kam von diesen preisstabilsten Gesellschaften jedoch nur die Signal Iduna auf ein hervorragendes Ergebnis. Concordia schaffte eine sehr gute Bewertung, die Mecklenburgische ein gutes Urteil.  

Die PKV-Branche bezifferte die Preissteigerung für 2022 kürzlich auf durchschnittlich 4,1 Prozent. Laut einem Preisvergleich des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherungen (WIP) nahm in den Jahren von 2012 bis 2022 "die Belastung der PKV-Versicherten in geringerem Maße zu als in der GKV". Die durchschnittliche Steigerung beziffert das WIP mit 2,6 Prozent in der PKV und 3,3 Prozent in der GKV.

DFSI: Beste Tarife für jedes Portemonnaie?
Um die Ausgangsfrage nach dem besten Preis-Leistungsverhältnis für Angestellte genauer zu beantworten, hat das Deutsche Finanz-Service Institut (DFSI) kürzlich Vollkostentarife von 17 Anbietern für drei Absicherungsniveaus untersucht (Grund-, Standard- und Premiumschutz). "Mit dieser Klassifizierung kann jeder nach dem besten Tarif suchen, der zudem auch zu den eigenen Finanzen passt", lässt sich DFSI-Senioranalyst Sebastian Ewy zitieren.

Ergebnis: Beim Premiumschutz erzielten die Hallesche sowie Arag die Bestnote "exzellent". Knapp dahinter rangiert die Debeka mit "sehr gut". Weitere sieben Anbieter schafften ebenfalls eine sehr gute Note: Axa, DKV, Hanse Merkur, Allianz, Barmenia, SDK und Signal Iduna (Marke: Deutscher Ring).

"Egal, welchen Schutz man wählt, man sollte auf jeden Fall die AVB vor Abschluss einer PKV ganz genau studieren, damit es im Krankheitsfall keine bösen Überraschungen gibt, denn auf allen Leistungsniveaus sind hier deutliche Unterschiede zu finden – genau wie bei der Höhe des Beitrags", gibt Ewy Interessenten mit auf den Weg.

Maklerin: Bedingungen wohl nicht genau gelesen
Um so erstaunlicher die prompte Kritik von spezialisierten Maklern in dieser Hinsicht zur DFSI-Studie. "Wirklich Bedingungen gelesen und die Aussagen der Versicherer überprüft hat hier wohl keiner", glaubt Versicherungsmaklerin Anja Glorius aus Berlin, die sich mit ihrem Unternehmen KVoptimal.de auf die PKV-Beratung spezialisiert hat.

Sie nennt im Branchendienst "Procontra" mehrere Beispiele, die die DFSI-Bewertung in Frage stellen. So würde die Hallesche als einer der Premium-Testsieger (Tarif "NK.Bonus") die DFSI-Mindestvorgaben bei den Zahnleistungen nicht erfüllen. Diese geben mindestens 90 Prozent Kostenersatz bei Zahnbehandlungen und mindestens 80 Prozent bei Zahnersatz vor.

"Der Hallesche-Tarif würde zwar sogar 100 Prozent für Zahnbehandlung und -ersatz leisten", stellt Glorius gegenüber FONDS professionell ONLINE klar, "allerdings nur bis zu 550 Euro Rechnungsbetrag." Für darüber hinausgehende Kosten sinkt der Erstattungssatz gemäß den Bedingungen auf 75 Prozent. Immerhin: Die Hallesche führt zum 1. Dezember einen neuen Tarif ein, der besser sein wird ("NK Select XL").

Auch die Testmethodik in der Kritik
Auch Sven Hennig, Inhaber des Versicherungsmaklers S.H.C. GmbH aus Bergen (Rügen), lässt kein gutes Haar an der DFSI-Studie. "Man sollte diesem Test keineswegs glauben", so der Spezialist für PKV, Altersvorsorge und Berufsunfähigkeit in seinem Blog.

Fragwürdig sei zum Beispiel die Testmethodik. "Nur die Aussagen in den Bedingungen entfalten eine Rechtskraft", erinnert Hennig. "Was ein Prospekt sagt, eine Presse- oder Marketingabteilung bestätigt oder ausfüllt, ist völlig unwichtig."

Das DFSI nahm auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE zur Kritik Stellung. Eine Abstufung zwischen Grund-, Standard- und Premiumschutz sei kaum möglich, wenn man immer die Optimallösung voraussetze, so Ewy. Wolle man Tarife vergleichen, werde das umso schwerer, je detaillierter man die Abfrage gestalte. "Daher müssen wir oftmals die Fragen bewusst offen formulieren, um verwertbare Antworten zu bekommen", so Ewy. Auswertungen dieser Art sollten das detaillierte Gespräch zwischen Kunde und Makler nicht ersetzen, betont er. Man sehe keinen Grund, das Abfrage-Procedere zu ändern. (dpo)