Österreichs Fondsgesellschaften sind bisher zurückhaltend, wenn es um das Thema Sicherheit und Verteidigung geht – obwohl es aufgrund der geopolitischen Erschütterungen naheliegt. Im Juli hat nun die Raiffeisen KAG den Raiffeisen European Resilience and Security Equity aufgelegt, der in die Autarkie Europas investiert und dabei einen sehr breiten Denkansatz hat.

Der Investmentrahmen spannt sich von Energie- und Ressourcensicherheit, Cybersecurity, Kommunikationsinfrastruktur, Technologieunabhängigkeit und medizinischer Versorgung bis hin zu Lieferkettensicherheit und anderen relevanten Bereichen, sagt Investmentchefin Karin Kunrath. Verteidigungsaktien sind auf maximal 35 Prozent des Portfolios limitiert. "Wir müssen bei Schlüsseltechnologien unabhängiger werden. Es geht um mehr als um Verteidigung", so Kunrath.

Breiter Ansatz als Pluspunkt für Stabilität
Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022 erlebte die europäische Sicherheitsarchitektur an der Börse eine Hochphase – zahlreiche Fonds mit klarem Rüstungsschwerpunkt wurden aufgelegt, darunter viele passive ETFs und einige aktive Fonds. "Wir fragen uns im Unterschied dazu, welche Unternehmen insgesamt zur Sicherheit und Unabhängigkeit Europas beitragen", so Kunrath.

Der breite Ansatz des neuen Fonds sei auch für die Stabilität im Portfolio ein Vorteil, so Kunrath, die zudem Pluspunkte gegenüber passiven Indexprodukten sieht. "Wir können als aktive Manager auf Veränderungen rasch reagieren, und weil unser Spektrum groß ist, können wir leicht switchen", so die Expertin.

Oft höhere Gewinne als der Markt
Wie alle thematischen Fonds sei auch dieser als Baustein in einem Gesamtportfolio gedacht. Wobei das Umfeld Hoffnungen auf langfristig gute Renditen rechtfertigt. "Das Thema ist sehr stark untermauert. Wir haben in den vergangenen Jahren gesehen, dass Sicherheit kein kurzfristiger Aspekt ist, sondern wirtschaftlich und politisch noch stärker in den Vordergrund gerückt ist. Viele Unternehmen in dem Bereich haben Gewinne über dem Marktdurchschnitt", so Kunrath.

Ihr Team investiert vorwiegend in Aktien von Unternehmen aus Europa oder mit wesentlichem Geschäft auf dem Kontinent. Wo europäische Investmentchancen rar sind, kann das Fondsmanagement auf andere Märkte zurückgreifen. Ein Beispiel wäre Cybersicherheit, wo US-Anbieter dominieren.

Konventioneller Fonds mit Ausschlusskriterien
Klassifiziert ist das Produkt als konventioneller Artikel-6-Fonds gemäß EU-Offenlegungsverordnung. Es gibt keinen besonderen Nachhaltigkeitsaspekt, aber es gelten die generellen Ausschlusskriterien der Raiffeisen KAG, etwa für geächtete Waffen wie Streumunition.

Es existieren sowohl institutionelle Anteilsklassen als auch Retail-Shares, jeweils in der ausschüttenden und thesaurierenden Variante. Manager des Fonds ist Günther Schmitt. (eml)