Die Zahl lässt manchem den Atem stocken: Nach einer Verbandsschätzung der Index Industry Association exisierten weltweit per Ende Juni 2018 rund 3,7 Millionen verschiedenartiger Indizes, eine Zunahme von fast 440.000 Barometern allein gegenüber dem Vorjahr. Auch wenn nicht alle davon Investoren zugänglich sind, stellt sich doch die Frage: Wer braucht das alles? Die Antwort gibt Morningstar: Kaum jemand. 

Eine Untersuchung des Fondsanalysehauses zeigt: Zumindest in Europa bleibt das Geschäft mit passiven Indexfolgern auf eine überschaubare Auswahl an Vergleichsmaßstäben beschränkt – und das liegt vor allem an den Vorlieben der Geldgeber. 2009 fanden sich in der Morningstar-Datenbank exakt 441 Benchmarks, die als Underlyings für passive Investments zugänglich waren. Ende 2018 waren es schon gut 1.780 Indizes. Dennoch setzen Anleger unverändert auf breite Marktbarometer und große Kategorien. "Die Konzentration hat zwar seit 2009 abgenommen, aber nicht in dem Maße, wie es die rasant steigende Anzahl an Indizes hätte vermuten lassen", sagt Morningstar-Chefredakteur Ali Masarwah. 

Von den rund 680 Milliarden Euro, die per Ende 2018 in börsengehandelten Indexprodukten (ETPs) in Europa investiert waren, bezogen sich 230 Milliarden Euro oder 34 Prozent auf gerade mal zehn Indizes, zeigen Masarwahs Daten. Vor zehn Jahren vereinten die Top-Ten-Barometer noch 44 Prozent aller ETP-Assets auf sich. "Neun davon sind auch heute Aktienbarometer, wobei es sich ausschließlich um klassische Benchmarks wie den S&P 500, den Euro Stoxx 50 oder den MSCI Welt handelt", stellt Masarwah fest. Der einzig halbwegs ausgefallene Index, hinter dem ein nennenswertes Vermögen steckt, ist seiner Beobachtung nach der MSCI World Minimum Volatility, der rund 2,5 Milliarden Euro an ETF-Geldern auf sich vereint, was rund 0,4 Prozent der ETF-Assets europaweit entspricht. 

Experimentierfreude hält sich in Grenzen
Nicht viel anders sieht es bei den relativ neuartigen Strategie-Indizes aus. Zwar hat sich die Zahl der Strategic-Beta-Barometer laut Morningstar seit dem Jahr 2009 von 32 auf 332 Indizes verzehnfacht. Ihr Anteil am Vermögen börsengehandelter Indexprodukte (ETPs) ist allerdings nur um 300 Prozent gestiegen. "Eine Verdreifachung des Marktanteils von Strategie-ETPs am Gesamtmarkt klingt zwar nach viel, ist aber absolut gesehen mit 7,5 Prozent der Assets im Vergleich zu den USA immer noch recht klein", sagt Masarwah. Dort stecken rund 20 Prozent der ETP-Assets in alternativen Indexstrategien.

Eines zumindest steht fest: Die Zeiten, in denen Indizes bloße Spiegelbilder von real existierenden Märkten waren, sind endgültig vorbei. "Das Geschäft mit Marktbarometern hat sich längst zu einer Massenproduktion entwickelt ", so Masarwah. (fp/ps)


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