Die Julius-Bär-Gruppe nutzt die US-Präsidentschaftswahlen im kommenden November für ein sehr spezielles Zusatzgeschäft: Sie bietet Kunden die Möglichkeit, mit zwei Wertpapierkörben auf den Wahlsieger zu wetten. Wie Bloomberg berichtet, verkauft die Schweizer Privatbank strukturierte Schuldverschreibungen mit einem Volumen von bis zu 40 Millionen US-Dollar, die an große US-Unternehmen gebunden sind.

Der eine Wertpapierkorb soll von Donald Trumps Wiederwahl profitieren, der andere von einem Wahlsieg der Demokraten. Je nach Meinung können Anleger den einen oder anderen Korb kaufen. Das strukturierte Papier, mit dem man auf die Demokraten setzt, umfasst Namen wie Ford und Walmart, setzt also eher auf den Konsumsektor. Der Trump-Korb enthält Technologie- und Finanzunternehmen wie Amazon, Citigroup und die Google-Mutter Alphabet. Strenggenommen wetten mit den Körben nicht nur Anleger auf den Wahlsieger, sondern auch Julius Bär darauf, welche Unternehmen von welchem Szenario profitieren.

Themenkörbe könnten Schule machen
Strukturierte Produkte gelten als intransparent und riskant, sind aber laut Bloomberg in der Schweiz ein Riesengeschäft. Investoren haben dort im dritten Quartal entsprechende Papiere im Umfang von 94 Milliarden Franken gehandelt. Das Beispiel von Julius Bär könnte deshalb Schule machen, glauben Vermögensprofis. "Ich bin sicher, dass andere Emittenten in Kürze ähnliche Themenkörbe für ihre Privatkunden entwickeln werden", sagte Martin Raab, Portfoliomanager bei Asset Security Trust, gegenüber Bloomberg.

Bei den letzten US-Präsidentschaftswahlen konnten von strukturierten Wahlwett-Produkten vor allem die Anbieter profitieren. Viele Anleger verloren dagegen Geld. Im Jahr 2016 boten beispielsweise Vontobel und Leonteq Papiere an, die jeweils von Donald Trumps oder Hillary Clintons Wahlsieg profitieren sollten. Bei Leonteq, einem Zürcher Spezialisten für strukturierte Anlageprodukte, setzten 80 Prozent der Wettkunden auf Clinton – es kam, wie bekannt, völlig anders. (fp)