Das neue Altersvorsorgedepot eröffnet ab 2027 einen neuen, aussichtsreichen Vertriebskanal für European Long-Term Investment Funds (ELTIFs) und ermöglicht dabei Investitionen in Private Markets innerhalb der geförderten privaten Altersvorsorge. Die Ratingagentur Scope macht in einer Studie großes langfristiges Potenzial für ELTIFs durch die Altersvorsorgereform aus. Vor allem die Kosten könnten aber die Akzeptanz bremsen.

Langfristig großes Potenzial für ELTIFs
Studien-Mitautorin und Scope-Analystin Hosna Houbani kommentiert: "Mittel- bis langfristig ist das Potenzial groß, kurzfristig dürften sich die Auswirkungen der Reform für Kapitalzuflüsse in ELTIFs aber in Grenzen halten." Entscheidend sei auch, wie die Regularien für ELTIFs ausgestaltet werden. Starke Nachfrage sei zunächst beim Standard-Altersvorsorgedepot zu erwarten, für das ELTIFs aber nicht zugelassen sind. Die Umsetzung eines ELTIF-Angebots für das erweiterte Altersvorsorgedepot werde im zweiten Halbjahr 2027 erwartet.

Nach Einschätzung von Scope könnten mittelfristig jährlich zwischen 30 und 50 Milliarden Euro in das neue Altersvorsorgedepot fließen. Unter der Annahme, dass ein Anteil von fünf bis zehn Prozent in alternative Anlagen investiert wird, ergäbe sich für ELTIFs mittel- bis langfristig ein Zuflusspotenzial von 1,5 bis fünf Milliarden Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Ende 2025 lag das ELTIF-Vermögen deutscher Anleger bei 4,4 Milliarden Euro.

Risikovorgaben schränken Nutzung kaum ein
Für das Altersvorsorgedepot sind Anlageprodukte der Risikoklassen 1 bis 5 zugelassen. Die Untersuchung von 53 in Deutschland vertriebsfähigen Evergreen-ELTIFs zeigt laut Scope, dass der weit überwiegende Teil diese Anforderung erfüllt (46 Produkte, 87 Prozent). "Als größere Herausforderung könnten sich die Kosten erweisen", betont Houbani. Obwohl für das erweiterte Altersvorsorgedepot die Kosten nicht gedeckelt sind, dürfte die gesetzlich vorgeschriebene Transparenz den Wettbewerbsdruck erhöhen.

Die von Scope untersuchten ELTIFs weisen je nach Anteilsklasse durchschnittliche Verwaltungsgebühren von 1,7 Prozent bis 2,5 Prozent auf. Nur wenige Produkte liegen derzeit unter einem Prozent, dem maximalen Effektivkostendeckel für das Standarddepot, der als Referenzgröße dienen dürfte. Houbani hält es für denkbar, dass Anbieter von ELTIFs künftig verstärkt Produkte und Anteilsklassen entwickeln werden, die auf die Anforderungen der deutschen Altersvorsorge hinsichtlich Kosten, Risiko und Liquidität zugeschnitten sind. (jh)