Die Ratingagentur Scope hat ihre Bewertungen für 17 offene Immobilienpublikumsfonds aktualisiert. Nur zwei Fonds konnten ihre Bewertungen verbessern, sechs Fonds wurden runtergestuft. Bereits in den beiden vorausgegangenen Jahren überwogen die Downgrades. "Das zeigt, dass Anleger aktuell mit niedrigeren risikoadjustierten Renditen leben müssen als noch vor einigen Jahren", sagt Sonja Knorr, die bei Scope die Analyse alternativer Investments leitet, ergänzt jedoch, dass das Rendite-Risiko-Profil der offenen Immobilienfonds insgesamt weiterhin gut sei.

Offene Immobilienfonds mit dem Schwerpunkt Wohnimmobilien haben zum Stichtag 31. Mai 2022 besser performt als Fonds mit Gewerbeimmobilien. Zwar konnten letztere ihr Ergebnis mit durchschnittlich 2,4 Prozent pro Jahr gegenüber dem Vorjahr (2,2 Prozent) leicht verbessern. Der Abstand zu Wohnimmobilienfonds mit einer Rendite von 3,9 Prozent (Vorjahr: 4,7 Prozent) hat sich verkleinert, ist aber immer noch deutlich.

Vor dem Zinsanstieg fürchtet sich die Branche am meisten
Unter den steigenden Zinsen werden offene Immobilienfonds stärker leiden als unter den Folgen des Ukraine-Kriegs, schätzen die Scope-Analysten. Denn mit einem sich hebenden Zinsniveau würde die Belastung der offenen Immobilienfonds steigen und ihre Attraktivität im Vergleich zu anderen Zinsanlagen abnehmen. Die von Scope befragten Asset Manager sehen im Zinsanstieg das größte auf sie zukommende Risiko.

Gleichwohl werden auch die unsicheren konjunkturellen Aussichten aufgrund des Ukraine-Kriegs und der steigenden Inflationsraten die Risiken an den Immobilienmärkten erhöhen. Angesichts bereits leicht gestiegener Leerstände in den Portfolios der Fonds, wird die Qualität des Standorts einer Immobilie noch wichtiger als ohnehin schon. Die Segmente Shopping-Center und Hotel bleiben ebenfalls herausfordernd.

Wohnen und Logistik sind wesentliche Portfoliobestandteile geworden
Während Investments in Shopping-Center und Hotels rückläufig beziehungsweise kaum mehr vorhanden sind, haben sich Wohn- und Logistikimmobilien mit jeweils elf Prozent zu wesentlichen Bestandteilen der durchschnittlichen Portfolios entwickelt. Büroimmobilien machen allerdings nach wie vor mit rund 70 Prozent den Löwenanteil aus.

Die Nettomittelzuflüsse in offene Immobilienfonds ging vergangenes Jahr auf 4,7 Milliarden Euro zurück (2020: 6,5 Milliarden Euro). Weil verglichen damit das Investitionsaufkommen von rund acht auf 7,2 Milliarden Euro geringer zurückging, ist die Liquiditätsquote offener Immobilienfonds im Durchschnitt gesunken. (tw)