Steter Tropfen höhlt den Stein, heißt es. Jahrelang widerlegte der Durchschnittsdeutsche mit seinen Spargewohnheiten diesen Spruch. Trotz guten Zuredens kompetenter Berater, es mal mit einem Fondssparplan als moderner Form der Geldanlage zu versuchen, trotz einer Vielzahl stichhaltiger und obendrein statistisch belastbarer Pro-Argumente vonseiten diverser Asset Manager und trotz eines breiten Sortiments an sparplanfähigen Fonds für jeden Geschmack schlugen Massen an Bundesbürgern alle Ratschläge in den Wind und hielten Tagesgeld und Sparbuch eisern die Treue – auch, wenn sie so schleichend Vermögen vernichteten statt welches aufzubauen.

Doch seit dem Frühjahr 2020 hat sich das grundlegend geändert. "Schuld" daran, dass der eingangs zitierte Spruch eben doch gilt, hat ausgerechnet das Coronavirus respektive der mit ihm verbundene erste große Lockdown. Der schickte zwar die globalen Aktienmärkte per Blitzcrash in den Keller. Simultan aber scheint die behördlich verordnete Entschleunigung eine neue Börsenbegeisterung bei vielen Bundesbürgern losgetreten zu haben.

"Mitmach-Modell" wird mehrheitsfähig
Die Zahl an neu eröffneten Wertpapierdepots und frisch abgeschlossenen Sparplanverträgen zeigt seither jedenfalls steil nach oben. So meldet der Wertpapierdienstleister DWP, dem bundesweit 1.200 Banken, Volksbanken und Sparkassen angeschlossen sind, dass die Zahl der bei ihm geführten Sparpläne auf Fonds und ETFs allein 2021 um weitere 48 Prozent auf nunmehr rund 1,1 Millionen Stück gewachsen ist. Zum Vergleich: Noch Ende 2019 lag die Zahl bei etwas mehr als 465.000. Und auch bei Deka sowie Union Investment gehen die Bestände an Fondssparplänen seit geraumer Zeit durch die Decke.

Dass viele eingefleischte Festgeld-Fans die eigene Vermögensplanung endlich auf zeitgemäße Säulen stellen, ist begrüßenswert. Denn Anleger genießen, gerade als Fondssparer, eine Reihe von Vorteilen. Anders als Inhaber einer Kapitallebensversicherung bleiben sie beispielsweise finanziell beweglich und sind stets Herr (oder Frau) ihrer Geldanlage.


FONDS professionell ONLINE hat die gebräuchlichsten Sparplan-Kategorien durchleuchtet. In unserem siebenteiligen Sparplan-Check zeigen wir Ihnen in den kommenden Tagen, mit welchen Sondervermögen geduldige Anleger in den vergangenen zehn Jahren am besten fuhren.


Ohne großen Aufwand lassen sich die wiederkehrenden Sparraten aufgrund vorübergehender finanzieller Engpässe reduzieren oder auch mal ganz aussetzen, später wieder aufstocken oder von Beginn an dynamisieren, um so einen eingebauten Inflationsausgleich zu erreichen. Schon ab 25 Euro monatlich geht es los. Einige Banken haben die Mindestsumme sogar auf zehn Euro oder noch weniger gesenkt. Dank des Zinseszins- und des Durchschnittskosteneffekts, der kleine Kursdellen oder sogar angsteinflößende Kollapse wie jenen vom März 2020 in der langen Frist ausgleicht, können selbst aus überschaubaren Monatsraten längerfristig kleine Vermögen oder zumindest solide "Notgroschen" entstehen. Und wer ganz klein anfängt, hat sogar die Chance, eines Tages "Sparplan-Millionär" zu werden.

Die erzielbare Rendite gibt den Fondssparern recht: Wie lukrativ das ratierliche Investieren ist, zeigt zum wiederholten Mal die aktualisierte Wertentwicklungsstatistik des deutschen Branchenverbands BVI (Stand: Ende Dezember 2021). Während Sparerlieblinge wie Fest- oder Tagesgeld nach Inflation mit Sicherheit nur eins bringen, nämlich Kapitalverzehr, winken bei Fondssparplänen mit ziemlicher Gewissheit Jahresrenditen von vier Prozent und mehr – ein wenig Geduld vorausgesetzt.

Zugleich belegt die BVI-Auswertung, wie erfolgsentscheidend die besparte Fondskategorie – beispielsweise Immobilien-, Mischfonds oder globale Anleiheportfolios – am Ende für den Investmentlohn ist. Hier sollten einfühlsame Berater mentale Hemmschwellen bei ihrem Gegenüber lösen, denn ein "Entweder-oder" gibt es, gerade zu Beginn der Karriere als Plansparer, nicht: Wer sich beispielsweise aus reiner Vorsicht partout nicht für eine bestimmte Gruppe entscheiden kann, dem steht die Möglichkeit offen, regelmäßig mehrere Fonds aus verschiedenen Kategorien in seinen Sparplan aufzunehmen.

Großes Performancegefälle
Ein Blick auf die BVI-Statistik, die wir oben grafisch aufbereitet haben, belegt allerdings ebenso eindrucksvoll, was Finanzprofis ohnehin wissen: Wer Aktien – vielleicht aufgrund von Vorurteilen oder übertriebenen Risikoerwägungen – kategorisch ausschließt, tut sich und seinem Depot keinen Gefallen. Denn die lohnenswertesten Sparplankategorien stammen ausnahmslos aus dem Aktiensegment. 

Wer sich für die in den letzten zehn Jahren lukrativste Gruppe "Aktienfonds Europa Nebenwerte" entschied, konnte – alle währenddessen aufgelaufenen Fondskosten und Ausgabeaufschläge eingerechnet – im Schnitt stolze 11,2 Prozent per annum dazu verdienen. In Euro ausgedrückt heißt das: Wer seit Anfang 2012 Monat für Monat mit je 100 Euro – also in Summe 12.000 Euro – einen durchschnittlich guten Aktienfonds besparte, der auf mittelständische und kleine Unternehmen aus Europa setzt, hätte Ende 2021 auf seinem Depotauszug rund 21.490 Euro stehen, wie obige Tabelle zeigt.

Die Statistik verrät noch mehr
Die aktualisierte Leistungsschau des BVI geht noch tiefer: Sie veranschaulicht nämlich nicht nur, welche Fondskategorien für Plansparer am rentierlichsten waren, sondern verrät auch, mit welchen Einzelfonds aus jeder Gruppe geduldige Monatseinzahler in den vergangenen zehn Jahren überdurchschnittlich gut fuhren. Das Spitzenportfolio aus der Kategorie "Aktienfonds Europa Nebenwerte" zum Beispiel machte aus 12.000 angesparten Euro in den vergangenen zehn Jahren satte 24.208 Euro.

Das andere Extrem spricht ebenfalls Bände. Wer als Plansparer zu Jahresbeginn 2012 einem durchschnittlich guten offenen Immobilienfonds den Vorzug gab, kam laut der neuesten BVI-Auswertung zum Stichtag 31. Dezember 2021 auf ein Gesamtergebnis von mageren 12.940 Euro. Wer das doppelte Pech hatte und obendrein auf den schlechtesten Vertreter aus dieser Kategorie setzte, machte aus den 12.000 angesparten Euro binnen zehn Jahren läppische 12.265 Euro. Doch so schlimm muss es nicht kommen.

Anhand der BVI-Übersichten stellen wir Ihnen in einer siebenteiligen Serie in den nächsten Tagen die lukrativsten Sparplanfonds aus den gängigsten – sprich vertriebsrelevanten – Vergleichsgruppen vor. (ps)