Erneuerbare Energien sind im Kommen. Eine davon ist das durch Solaranlagen gewandelte Licht der Sonne. Darauf setzen auch Fonds. Eines der ältesten Sondervermögen in diesem Bereich und das einzige, das nach eigener Darstellung ausschließlich in Aktien von Solarunternehmen investiert, ist der 2008 lancierte Active Solar der Schweizer Boutique Active Niche Funds. Der rund 220 Millionen Euro schwere Fonds ist seit diesem Jahr auch in Deutschland und Österreich zum Vertrieb zugelassen.

Im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE erklärt Pascal Rochat, Gründer und Vorstandschef von Active Niche Funds, warum der Erfolg in mehrfacher Hinsicht nachhaltig ist und weshalb nicht nur die Performance, sondern auch die Volatilität des Fonds überdurchschnittlich hoch ist.


Herr Rochat, der Wert Ihres "Active Solar"-Fonds hat sich auf Sicht von zwei Jahren fast verdreifacht. Was ist der Grund?

Pascal Rochat: Die Nachfrage nach Solarstrom und damit Solaranlagen ist in den vergangenen Jahren sehr stark gestiegen und auch noch lange nicht gesättigt. Sonnenkraft ist bereits heute – gemessen an Neuinstallationen – die am stärksten wachsende Stromquelle. Alleine 2020 wurden Anlagen neu gebaut, die 140 Gigawatt leisten, 2021 werden es 190 Gigawatt sein, für 2022 rechnet man mit 250 Gigawatt. Dazu muss man auch noch wissen, dass 2020 die Hälfte aller neu installierten Stromanlagen, inklusive Gas und Kohle, aus Solar-Paneelen bestanden. Das wirkt sich auf die vom Fonds gehaltenen Unternehmen aus. Sie werden ihre Erträge in den nächsten drei Jahren mindestens verdoppeln. Und wenn ein Markt so gut läuft, dann kommen die Investoren – und die Aktienwerte steigen.

Woher kommt diese Nachfrage? Ist es, weil Politiker und Regierungen die Installation von Solaranlagen unterstützen und fördern? Oder wollen die Käufer wirklich "grünen" Strom, koste es, was es wolle?

Rochat: Die staatliche Förderung war tatsächlich bis 2016 der Haupttreiber für neue Solaranlagen, gerade auch in Deutschland. Das hat sich aber geändert, die Förderungen sind weltweit ausgelaufen. Nun ist der Preis der Treiber. Solarstrom ist sehr billig geworden, weil die Technik ausgereift ist und so Massenproduktion und Skaleneffekte ermöglicht. In den USA ist der Preis daher auf nur noch 3,6 Cent pro Kilowattstunde gefallen. Sonnenenergie ist damit ein Drittel billiger als Strom aus Kohle und kostet nur Viertel des Preises für Atomstrom. Abgesehen davon treiben natürlich auch die "Net Zero"-Initiativen für den Ausstieg aus fossilen Energien die Nachfrage. Weil der Appetit nach Solarenergie aber letztlich rein ökonomisch bedingt ist, wird er auch nicht so schnell gestillt.

Die Performance des Fonds ist bemerkenswert, allerdings auch die Volatilität. Zuletzt gab Anfang 2021 wieder einen Rücksetzer.

Rochat: Stimmt, vor dieser Korrektur hatte der Fonds sogar ein Plus von mehr als 300 Prozent seit dem Crash im März 2020 geschafft. Die Rücksetzer hatten immer einen bestimmten Grund. 2008 war es die Finanzkrise. In den Jahren 2011/12 gab es die "Überkapazitätskrise", weil viele chinesische und asiatische Hersteller von Solarmodulen auf den europäischen Markt drängten. Dadurch entstanden Überkapazitäten, es folgte ein Preiskampf und rund zwei Drittel der Hersteller gingen pleite. Dann gab es nach einer kurzfristigen Erholung zwischen 2013 und 2016 wieder einen Rückgang, als wegen nachlassender Nachfrage nach Öl alle Energieaktien, auch die von Solarherstellern, nachgaben. Zuletzt gab es zu Jahresbeginn eine Korrektur nach der famosen Rally, ausgelöst unter anderem durch Warnungen vor einer Blasenbildung bei "grünen" Energien. Jene betrafen in erster Linie Wasserstofftitel, viele bezogen es aber auch auf Solarwerte.

In welche Aktien investieren Sie genau?

Rochat: Wir investieren in alle Arten von Unternehmen, die an der Produktion und der Installation von Solaranlagen beteiligt sind. Sie müssen damit mindestens die Hälfte ihrer Erträge erwirtschaften. Im Moment besteht das Investmentuniversum aus rund 80 Firmen, die eine Marktkapitalisierung von 500 Milliarden US-Dollar haben. Rund 40 Prozent der Firmen kommen nach erwähnten "Überkapazitätskrise" aus China oder Asien, 20 Prozent aus Europa und der Rest aus den USA.

Wie sieht Ihr Anlageprozess aus?

Rochat: Im Rahmen des gesamten Analyseprozesses schauen wir vor allem auf das Risiko-Ertrags-Verhältnis der Firma über die kommenden zwölf Monate. In einer Matrix beleuchten wir alle Kennzahlen der Firma sowie Faktoren wie deren Konkurrenzfähigkeit oder ihre Nachhaltigkeitsstrategie. Bei den Firmen, die am höchsten gewichtet sind, gehen wir davon aus, dass es nur wenige Risiken gibt und dass sie sehr gut performen werden.

Der Fonds wird als nachhaltig gemäß Paragraf 9 der EU-Offenlegungsverordnung eingestuft. Welche Technik steckt hinter den Anlagen? Sind sie wirklich so grün?

Rochat: Im Laufe der vergangenen 15 Jahre ist im Grunde nur ein Ansatz übriggeblieben: Polysilicon, das zu ganz dünnen Schichten ausgewalzt und in Paneele eingebaut wird. Es ist so billig und einfach zu produzieren, weil es auf Sand basiert, von dem es auf der Erde fast unerschöpfliche Reserven gibt.

Nicht ganz. Für Bauzement etwa benötigt man den Sand, der an Stränden zu finden ist und der nun rar wird. Wüstensand ist aber tatsächlich genug da.

Rochat: Guter Einspruch. Aber für Polysilicon kann fast jeder Sand genommen werden, also auch Wüstensand, der allerdings derzeit nicht eingesetzt wird.

Wird aber nicht wertvolles Ackerland oder sogar gerodeter Wald für Aufstellung der Solaranlagen gebraucht?

Rochat: Das ist einer der größten Irrtümer über Solaranlagen. Klar, wenn man einen Solarpark anschaut, dann ist die bebaute Fläche natürlich groß. Man muss das aber in Relation zur Fläche setzen, die den Menschen zur Verfügung steht. Das US-Energieministerium hat ausgerechnet, dass nur 0,5 Prozent des Landes benötigt werden, damit man mit Solaranlagen 40 Prozent des Strombedarfes der USA decken kann.

Wir danken für das Gespräch. (jb)