Die Ära der Negativzinsen auf Bankeinlagen ist vorbei. Seit die Europäische Zentralbank (EZB) am 21. Juli zum ersten Mal seit elf Jahren die Leitzinsen angehoben und den negativen Einlagensatz auf null gesetzt hat, haben mehr als 90 Prozent der gut 540 verbliebenen Banken das Verwahrentgelt gestrichen. Ende Mai hatten noch 582 Geldhäuser Strafzinsen verlangt. Damit weisen noch 36 Banken eine solche Gebühr im Preisaushang oder auf ihrer Seite aus – ohne Hinweis, dass der Strafzins an den Zinssatz für die EZB-Einlagefazilität gekoppelt ist. Das berichtet das Verbraucherportal Biallo auf Basis einer Abfrage bei deutschen Banken. Zudem zahlen einige Häuser auch wieder Zinsen auf die Einlagen ihrer Kunden.

Die größte Gruppe unter den Instituten, die noch Verwahrentgelte verlangen, kommt aus dem Lager der Genossenschaftsbanken, inklusive PSD- und Sparda-Banken: 24 Institute berechnen sie – meist in Höhe von 0,5 Prozent. Ferner haben sieben Direktbanken das Verwahrentgelt nicht aus ihren Preis- und Leistungsverzeichnissen oder von ihrer Seite gestrichen, sowie fünf überregional aktive Institute. Das Sparkassenlager erhebt gar keine Negativzinsen mehr. Die  großen Universalbanken Deutsche Bank mitsamt Postbank, die Commerzbank und die Hypovereinsbank hatten bereits Anfang Mai mitgeteilt oder zumindest angedeutet, dass sie das Verwahrentgelt streichen werden, wenn die EZB den Einlagensatz auf null setzt. Im Herbst sollten diese Gebühren laut Biallo aber endgültig Geschichte sein.

So viele Banken zahlen wieder Zinsen
Interessant ist auch, dass einige Häuser wieder Zinsen zahlen. Prominentestes Beispiel ist die ING Deutschland, die seit 1. August für Bestandskunden einen Sparbrief mit einer Verzinsung von bis zu 1,50 Prozent pro Jahr anbietet. Die Laufzeiten reichen von einem Jahr bis zu fünf Jahren. Die Mindestanlage liegt bei 2.500 Euro, die Höchstsumme bei 500.000 Euro. Zudem bietet rund die Hälfte der 370 Sparkassen wieder Zinsen fürs Festgeld, bei den genossenschaftlichen Instituten ist es rund ein Drittel. (jb)