Kontoführung, Überweisungsaufträge und Bargeldabhebungen: Deutschlands Bankkunden zahlen für solch alltägliche Dienstleistungen etwa 135 Euro pro Jahr. Das klingt zwar viel – ist im internationalen Vergleich aber wenig. Der europäische Durchschnitt liegt nämlich bei 256 Euro. Das zeigt eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey, über die das "Handelsblatt" berichtet. Die Studienautoren gehen davon aus, dass Deutschland nicht auf Dauer der "Billigheimer" der europäischen Bankbranche bleiben wird, sondern dass Bankdienstleistungen hierzulande schon bald teurer werden – auch wenn der jüngste BGH-Richterspruch künftige Gebührenerhöhungen deutlich komplizierter macht. "Mittel- bis langfristig werden sich die Kosten stärker angleichen", prognostiziert Max Flötotto, Leiter des Bereichs Bankwesen bei McKinsey.

Geldhäuser in Deutschland kämpfen laut den Beratern mit schrumpfender Rentabilität und stehen entsprechend unter Druck. In den vergangenen zehn Jahren sei der Ertragspool um acht Prozent geschrumpft, während die Leistung der gesamten Wirtschaft um 35 Prozent gestiegen sei. Die höheren Einnahmen könnten Banken also sehr gut gebrauchen. Ein Grund für die schlechte Ertragslage deutscher Finanzinstitute ist laut McKinsey ihr schwindender Marktanteil. Sie haben von 2000 bis 2019 zwischen fünf und 15 Prozent an ausländische Konkurrenten und neue Online- sowie Smartphonebanken verloren. Die US-Ratingagentur Moody's spricht in diesem Zusammenhang von "overbanked" – der deutsche Markt hat also eine zu hohe Zahl an Instituten.

Personalabbau und engere Kooperation
Um den Negativtrend zu brechen, braucht es ein straffes Reformprogramm. Flötotto schlägt unter anderem einen jährlichen Personalabbau in Höhe von 3 bis 3,5 Prozent sowie ein Begrenzen des jährlichen Lohnwachstums auf maximal 1,5 Prozent vor. Zudem sieht der Experte viel Sparpotenzial beim Geldautomatennetz: Nach dem Vorbild der Niederlande solle dieses zusammengelegt werden, deutsche Banken sollen also stärker kooperieren. Und auch ESG-Kriterien, der Wandel hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise, könnte die Ertragslage deutlich verbessern.

Bei McKinsey geht man davon aus, dass mit diesen Schritten die Rendite auf sieben bis acht Prozent gesteigert werden kann, was zumindest den Kapitalkosten entspräche. Würden die Banken hingegen untätig bleiben und so weitermachen wie bisher, könnte die Rendite bis Ende des Jahrzehnts in Richtung null fallen. (fp)