Deutsche Privatanleger können mittlerweile aus mehr als 30 Gesellschaften auswählen, die ihnen eine vollautomatische, internetbasierte Vermögensverwaltung bieten. Was ihnen auf den entsprechenden Internetseiten versprochen wird, ist jedoch mit gesunder Skepsis zu genießen: Die Qualität der Angebote entspricht nicht in allen Fällen den Aussagen in der Werbung, wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf eine Studie des Beratungshauses Fonds Consult berichtet, die ihm exklusiv vorliegt.

Die Experten mit Sitz in München haben in ihrer Studie 25 Robo-Berater einer qualitativen Analyse unterzogen. Hierbei fiel rund ein Viertel der Robos laut Handelsblatt mit ihrer mangelhaften Kundeneinstufung negativ auf. So bemängele Fonds Consult, dass häufig die Risikotragfähigkeit der Anleger geprüft werde – aber erst, nachdem die Maschine bereits eine Anlagestrategie vorgeschlagen habe.

Ganzheitlicher Ansatz? Fehlanzeige!
Zudem haben Kunden in einigen Fällen die Möglichkeit, ihr Risikoprofil selbst zu bestimmen, ohne dass der Anbieter die Angaben auf Wahrheitstreue prüft. Diesen Punkt kritisieren auch andere Branchenkenner: "In den vergangenen Jahren sind die Fragen der digitalen Anbieter schon detaillierter geworden. Was meist noch vollständig fehlt, sind aber Fragen nach dem bestehenden Anlageportfolio – Depots, Kontoguthaben, Lebensversicherungen oder auch Immobilien", zitiert die Wirtschaftszeitung Andreas Oehler, Finanzprofessor der Universität Bamberg.

Die Studie zählt ferner die Kosten, die wohl die meisten Interessenten anlocken, zu den wichtigsten Qualitätskriterien. Teure Strategien führten dem Bericht zufolge in sechs Fällen zur Abwertung. Knapp die Hälfte der Anbieter warte aber mit durchaus günstigen Konditionen auf. Die Gebühren liegen zwischen 0,49 Prozent im Jahr beim Fintech Weltinvest bis zu über zwei Prozent jährlich bei Truevest, dem Robo der Patriarch Multi-Manager. Das günstigste Drittel verlangt weniger als ein Prozent im Jahr, die teuersten 30 Prozent mehr als 1,6 Prozent, so der Bericht.

Außer Spesen wenig gewesen
Wichtig hierbei: Vor Kosten schlagen die besten Robos über ein Jahr in allen vier gemessenen Strategien ihre Vergleichsindizes. Nach Abzug der Gebühren schaffen sie es allerdings fast nie. In der Kategorie Transparenz wurde zudem mehr als die Hälfte der Robos abgewertet, weil die detaillierte Übersicht über die angebotenen Strategien oder Kosten fehle. Doch es gibt auch Positivbeispiele: So haben die Robos Werthstein, Fintego, Scalable Capital, Liqid, Vaamo, Growney, Wüstenrot und Warburg Navigator eine qualitativ überdurchschnittliche Bewertung erhalten. 

Fonds Consult hat ferner neben der qualitativen auch eine quantitative Analyse gemacht – aber nur bei zehn Robos – unter anderem, weil nicht alle die Fragebögen ausgefüllt haben. Hier sei die risikogewichtete Rendite von vier typischen Anlagestrategien mit unterschiedlichen Aktien- und Anleiheanteilen basierend auf den Ergebnissen über zwölf Monate bis September 2018 untersucht worden.

Geamtsieger Fintego
Aus beiden Untersuchungen ergibt sich eine Gesamtwertung, in der Fintego von der Ebase und Werthstein mit einer 1,3 und einer 1,5 am besten abschnitten. Schade nur: Letzterer hat sein Deutschlandgeschäft vor kurzem eingestellt.

Die Note "gut" erreichen immerhin drei Anbieter. Scalable Capital erzielt mit seinem automatisierten Anlageprozess mit 23 Strategien eine Spitzennote im qualitativen Angebot. Aus quantitativer Sicht ist der Robo hingegen nur "knapp befriedigend". Ebenfalls gut sei der Wettbewerber Ginmon, der halbautomatisiert in zehn Strategien investiert und regelmäßig umschichtet, um die definierten Wertpapierquoten zu halten. Das Risikomanagement führe zu einem durchgehend überdurchschnittlichen Ergebnis, bei der Rendite ragten die aktienlastigeren Strategien heraus.

Ganz anders gehe dagegen Solidvest, das digitale Angebot des Vermögensverwalters DJE, vor: Hier wird mit Einzelwerten in vier Strategien investiert. Die Rendite ist überdurchschnittlich, die Risikoseite etwa in der konservativen Strategie habe jedoch schwächer abgeschnitten. Und: Die Kosten sind mit bis zu 1,5 Prozent des Vermögens relativ hoch. (jb)