Die Riester-Rente nach altem Modell ist ein Misserfolg, so eine gängige These. Die Politik will daher schnellstmöglich ein neues Riester-Standard-Produkt, quasi "Riester für alle". Doch die bisherige Bilanz fällt besser aus als gedacht, erwidern Experten. "Jeder Zulagen-Euro bei Riester bewirkt über zwei Euro Eigenbeiträge und brachte 2017 letztlich sechs Prozent der gesetzlichen Eckrente, jedes Jahr zunehmend", sagt Peter Schwark, Geschäftsführer beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Sein Fazit: Die Riester-Rente in ihrer jetzigen Form "funktioniert" mit 16,5 Millionen Verträgen durchaus, was für ein freiwilliges System "weltweit einzigartig" sei.

"Die Riester-Rente stellt nach wie vor eine sehr gute Vorsorgestrategie dar", bestätigt jetzt Michael Hauer, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) und Professor für Finanzmärkte und Financial Planning an der Technischen Hochschule Amberg-Weiden. Die staatlichen Zulagen förderten überwiegend die Altersvorsorge von Familien und Menschen mit geringem Einkommen, die Steuerersparnis wirkt positiv bei Besserverdienern. Diese Aussagen werden durch eine umfassende Riester-Studie des IVFP belegt.

Riester-Rente nutzt allen Bevölkerungsgruppen
Ergebnis: Die Riester-Rente erreicht alle Bevölkerungsschichten, insbesondere niedrige und mittlere Einkommensgruppen – Frauen sogar überproportional. Aus der anonymisierten Auswertung von rund 23.500 Verträgen errechnet das IVFP jährlich den Riester-Rendite-Index. Dieser ergibt für 2018 eine Rendite von 3,4 Prozent – nach Kosten und Steuern!

Des Weiteren wurde errechnet, dass die Netto-Rentenleistung nach Steuern die Netto-Einzahlungen im Alter von 78 Jahren übersteigt. Im Kollektiv der untersuchten Verträge erreichen Riester-Rentenempfänger etwa nach 14 Jahren die Gewinnzone. "Aufgrund einer unterstellten Lebenserwartung von 86 Jahren folgen dann durchschnittlich acht weitere Jahre Rentenbezug", so Hauer.

Neues Rating zeigt gute Produktqualität
Nun hat das IVFP sein inzwischen elftes Riester-Rating nachgeschoben. Dabei wurden insgesamt 40 Tarife von 33 Anbietern auf bis zu 80 Kriterien hin untersucht und auch Besonderheiten und Vorteile eines Riester-Vertrages wie das Vorhandensein von Hinweisen auf Zuordnung der Kinderzulage, die Möglichkeit einer Anpassung des Todesfallschutzes bis zum Rentenbeginn oder eine mögliche Hinterbliebenenabsicherung hervorgehoben. Zudem wurde jeweils die zu erwartende Rentenhöhe ermittelt.

Die Tarife werden mit den Bewertungen "exzellent", "sehr gut" oder "gut" bedacht, sowohl im Gesamtergebnis als auch in den vier Teilbereichen Unternehmen, Rendite, Flexibilität sowie Transparenz/Service. Die Versicherer sind innerhalb der Gesamtnoten alphabetisch sortiert. Dabei hat das Institut fünf Produktkategorien unterschieden – klassische Renten, neue Klassik-Renten, Indexpolicen, Fondsrenten mit Garantie und Comfort-Fondspolicen. Bei der letztgenannten managt der Versicherer die Anlage allein, der Kunde hat bewusst keine freie Fondsauswahl oder Wechselmöglichkeit in andere Anlagekonzepte. Die Ergebnisse stehen online auf der Instituts-Website zur Verfügung. Die Rating-Methodik ist ebenfalls transparent einsehbar.

Die besten Riester-Fondsrenten mit Garantie
Bei Riester-Fondsrenten mit Garantie schnitten sechs Tarife "exzellent“ ab (siehe nachfolgende Tabelle), weitere zwölf waren nach IVFP-Analyse "sehr gut".

Wie Hauer auf Nachfrage betont, sind die ersten Riester-Rententarife nun auch in die IVFP-Tarifvergleichssoftware fairgleichen.net, dem Vergleichsrechner auf "Mitmach-Basis", integriert worden. Der Rechner für Rentenpolicen war Anfang Juli gestartet worden.

Warum eine Riester-Reform nötig ist
Eine Reform der Riester-Rente sehen Verbraucherschützer vor allem deswegen als dringend geboten, um geringere Kosten, erhöhte Glaubwürdigkeit und eine gute Beteiligung der Kunden an der Marktrendite bei geringem Risiko zu erreichen. Die Differenz zwischen teuren und günstigen Versicherern summiere sich über die Laufzeit auf einen fünfstelligen Betrag.

Diesen Vorwurf konterte die Branche mehrfach: Mit dem LVRG 2015 seien bereits handfeste Verbesserungen umgesetzt worden. Die einmalig einkalkulierten Abschlusskosten wurden um bis zu 40 Prozent reduziert, die Regeln zur Überschussbeteiligung für Kunden verbessert (90 Prozent der Risikoüberschüsse werden zur Rentenerhöhung verwendet). Der GDV schlägt vor, den förderfähigen Personenkreis auf alle unbeschränkt steuerpflichtigen Bürger auszuweiten, keine aufwendige Prüfung der Förderberechtigung mehr zu betreiben, die Förderung auch bei Statuswechsel zwischen abhängiger Beschäftigung und Selbständigkeit nicht mehr zu streichen und endlich eine Dynamisierung der Riester-Förderung zu starten. (dpo)