Kühl rechnen, spontan die Reißleine ziehen, emotionalen Signalen folgen? "Die Börse ist eine Charakterschule", sagt Thorsten Hens, Professor für Financial Economics an der Universität Zürich. "Nur ist bislang nicht bekannt, welche Charaktereigenschaften zum Anlage-Erfolg führen", so der Experte, der gemeinsam mit Psychologen der Universität Genf und mit dem österreichischen Social Trading-Unternehmen Wikifolio genau das herausfinden will.

Noch diese Woche wird ein von der Schweizer Ethikkommission freigegebener Fragebogen an alle Wikifolio-Trader ausgeschickt, die ein investierbares wikifolio (Anlagestrategien, die Basis für ein Zertifikat sind) besitzen. Die per Fragebogen erhobenen Persönlichkeitsmerkmale werden dann mit verschiedenen Aspekten des tatsächlichen Track Records der Trader verknüpft, heißt es bei Wikifolio. Durch die Verbindung von Persönlichkeitsdaten mit dem individuellen Handelserfolg soll es möglich sein, jene Persönlichkeitseigenschaften zu identifizieren, die zu einer guten Trading-Performance beitragen, so Michael Kometer, Leitender Psychologe des Forschungsprojekts von der Universität Genf:

Teilnehmer erhalten individuelle Auswertung
Interessant ist daran für den einzelnen Teilnehmer, dass er nicht nur Objekt der Untersuchung ist, sondern selbst profitiert: Wer teilnimmt, erhält sein ermitteltes individuelles Persönlichkeitsprofil (sofort nach Ausfüllen des Fragebogens) und später auch Auskunft darüber, welche Faktoren den Anlageerfolg laut Studie beeinflusst haben. "Die Auswertung der Trading-Daten und der Match mit den Persönlichkeitsprofilen wird einige Zeit in Anspruch nehmen, die Forscher rechnen nicht mit Ergebnissen vor Mitte nächsten Jahres", heißt es gegenüber FONDS professionell ONLINE. Es sei aber geplant, laufend über Zwischenergebnisse in einem Blog zu berichten. Außerdem seien bereits weitere Projekte der Universitäten Zürich und Genf mit wikifolio.com angedacht.

Trader hätten die Möglichkeit, "einen wissenschaftlichen Einblick in ihr persönliches Trading-Verhalten zu bekommen und aus den Ergebnissen für die Zukunft zu lernen", so Andreas Kern, Gründer und Vorstandschef von wikifolio. Jeder Trader, der an der Studie teilnimmt, erhalte außerdem eine Kennzeichnung auf wikifolio.com. Diese soll anderen Nutzern anzeigen, dass sich der Trader einerseits für die Wissenschaft engagiert und er andererseits danach strebt, seinen Erfolg forschungsbasiert zu verbessern.

Bisher wenige Untersuchungen für den Finanzbereich
"Die Kapitalmarktforschung hat speziell in der Verhaltensforschung Aufholbedarf. Während in nahezu allen Branchen menschliche Erfolgsfaktoren wissenschaftlich ermittelt wurden, gibt es in der Finanzbranche zu dieser Fragestellung bisher kaum Untersuchungen", erläutert Lorric Ziegler, Leitender Datascientist der Studie von der Universität Genf.

Wikifolios sind Musterdepots, in denen private Trader, professionelle Vermögensverwalter und renommierte Finanzmedien ihre Handelsideen umsetzen. Jedes wikifolio kann als fiktives Referenzportfolio dienen, auf das sich ein wikifolio-Index bezieht. Hierauf begibt die Lang & Schwarz AG Endlos-Indexzertifikate, die an der Börse Stuttgart gehandelt werden. Alle wikifolio-Zertifikate sind besichert.

Über Wikifolio
Wikifolio wurde 2012 vom Österreicher Andreas Kern gegründet und 2014 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Das Finanz-Technologie-Unternehmen startete im August 2012 in Deutschland und trat im April 2013 in den österreichischen Markt ein. Unternehmenssitz ist in Wien. Seit März 2015 ist die Plattform für Schweizer Anleger verfügbar. Gesellschafter sind unter anderen VHB ventures (Beteiligungsgesellschaft der Verlagsgruppe Handelsblatt), das Emissionshaus Lang & Schwarz, NewAlpha Asset Management, die PostFinance AG sowie das Venture Capital Unternehmen Speed Invest GmbH. (eml)