Fund Flash
UBS (Lux) Equity Fund - Telecom:
Interview mit Fondsmanager Andreas Schaller
UBS Asset Managemet


Die Better Value AG (BEVAG), welche im Bereich Vermögensverwaltung und Fondsanalyse tätig ist und unter anderem auch die Finanzmesse Fonds'01 organisierte, hat mit Andreas Schaller, Portfoliomanager von UBS (Lux) Equity Fund - Telecom, ein Interview geführt. Das Gespräch ist im Internet unter http://www2.bluewin.ch/finance/fonds/index.html aufgeschaltet.


BEVAG: Der UBS (Lux) EF Telecom gehörte in den letzten Jahren jeweils zu den Top-Performern innerhalb der Branche. Vergleicht man beispielsweise die Performance des laufenden Jahres, so haben einzelne Fonds bis zu 60 % an Wert verloren. Der UBS (Lux) EF Telecom schnitt dieses Jahr mit einer Performance von -26.4% per Ende September als einer der besten Fonds ab. Wie unterscheidet sich Ihre Anlagepolitik von derjenigen anderer Telekomfonds?

Schaller: Wir verfolgen eine Anlagestrategie, die auf mittel- bis langfristige Preis-Wert-Verhältnisse ausgerichtet ist. Im Rahmen dieser Strategie wird der faire Wert einer Anlage bestimmt und mit dem entsprechenden Marktpreis verglichen. Stellen wir dann eine deutliche Unter- oder Überbewertung einer Aktie fest, werden wir uns entsprechend positionieren. Das Risikomanagement berücksichtigen wir mit einem intern entwickelten Modell, das integrierten Bestandteil unseres Portfoliokonstruktions-Prozesses bildet.

Vergleiche innerhalb der Telekomfonds sind zuweilen schwierig, da die Definition und Auswahl einzelner Anlagen der verschiedenen Telekomprodukte stark voneinander abweichen können. In unserem Fonds investieren wir ausschliesslich in Telekom-Serviceanbieter, deren Performance sich in den letzten Wochen verglichen mit anderen Sektoren stabilisiert hat.


BEVAG: Im Dezember 2000 war der Fonds zu 37% in den USA investiert. Ende September ist der Anteil auf rund 45% angestiegen. Was sind die Gründe für den relativ hohen Anteil der Investitionen in den USA?

Schaller: Die grossen US Anbieter, insbesondere im Festnetzbereich, haben wir in dieser Zeit den europäischen Anbietern aus relativen Preisüberlegungen vorgezogen. Zudem war der Verschuldungsgrad einzelner kontinentaler Gesellschaften nach den UMTS-Lizenzvergaben enorm hoch und dies in einem Umfeld von sinkenden Preisen und erhöhter Konkurrenzsituation. Ein weiterer Grund ist die daraus folgende Verschiebung der Marktgewichte im global investierten Sektorfonds. Auch im Hinblick auf die zukünftige MSCI Benchmarkanpassung, welche im November 2001 und Mai 2002 vollzogen wird, liegt das Gewicht der nach der berechneten Marktkapitalisierung in den USA etwas höher.


BEVAG: Im Monat September hat der weltweite Index MSCI World mehr als 11 Prozent (in CHF) verloren, während der Telekommunikations-Index (MSCI Telecommunications) weniger als 1 Prozent gesunken ist. Was sind die Gründe für die relativ gute Performance der Telekommunikations-Branche?

Schaller: Nach dem tragischen Ereignis vom 11. September 2001 haben vor allem die bis dahin relativ stabilen Finanz- und Versicherungswerte an Wert eingebüsst. Die Telecom Gesellschaften tendierten seit Jahresanfang negativ und bauten die Verluste anfangs September noch weiter aus, so dass nach dem 11. September 2001 die Branche von einer kleinen Sektorrotation profitieren konnte. Hinzu kamen leicht positive Nachrichten aus der Branche und zwar dahingehend, dass sich die Margen im mobilen Geschäft aufgrund der tieferen Kundenwachstumszahlen und den damit geringeren SAC (Subscriber Acquisition Costs) leicht stabilisiert haben. Zudem hat der Preisdruck im Festnetzbereich leicht nachgelassen, da sich insbesondere die alternativen in diesem kompetitiven Umfeld nicht zuletzt wegen der verschlechterten Wirtschaftslage eher schwer tun. Bei den grosskapitalisierten europäischen "Incumbents" steht der Schuldenabbau (Deutsche Telecom, British Telecom und France Telecom) weiter im Vordergrund. Das historisch sehr tiefe Zinsniveau hatte jedoch auch gerade auf diese stark fremdfinanzierten Firmen eine durchaus stabilisierende Wirkung. Die US Firmen zeigten auch im September eine relative Stärke.


BEVAG: Der Telekommunikationssektor galt in den letzten Jahren als typischer Wachstumssektor. Er hat sowohl den Wachstumsboom als auch die starken Kursrückgänge mitgemacht. In den letzten Monaten mehren sich die Meinungen von Experten, welche die Telekombranche dem defensiven Sektor als eigentlicher Versorger zuordnen. Hat sich der Sektor oder nur die Marktmeinung geändert?

Schaller: Abgesehen von der Definition , welche auf den Sektor Telekom eigentlich aufgrund der Betreibung einer Kommunikationsinfrastruktur durchaus zutreffen kann, impliziert die Zuteilung aber auch eine Wertung hinsichtlich des Wachstums. Hier beobachten wir insbesondere in Europa mit Penetrationsraten von ca. 80% im mobilen Bereich sicher Wachstumsgrenzen bei Neukunden. Doch war das sehr starke Wachstum auch nicht zum zu haben, was sich nun etwas zugunsten der Erträge auswirkt. In den USA sieht die Situation etwas anders aus.

Dort liegt der Durchdringungsgrad bei den potentiellen Kunden lediglich bei ca. 40%. Die verschiedenen Technologiestandards und das begrenzte US Spektrum für die dritte Generation dürfte das Wachstum etwas einschränken. Auch stösst Europa auf technologische Hindernisse, welche beispielsweise Vodafone dazu brachte, die Investitionen zu reduzieren und die 3G-Übertragungsraten auf die unteren Ränge der möglichen 64 bis 384 kbyte zu beschränken. Was dem Anleger letztlich aber Mehrwert bringt, sind positive und stabile Cashflows und weniger die teuer finanzierten Wachstumsraten. Von diesem Standpunkt aus gesehen, spielt die Zuteilung der Branche (Wachstum oder defensiver Versorger) eine untergeordnete Rolle, da nach meiner Meinung die Bewertung einer Anlage viel entscheidender ist.


BEVAG: Seit dem 1. Oktober ist in Tokio das erste Mobilfunknetz der dritten Generation, das den mobilen Internet-Zugang zwischen sechs- und vierzigmal schneller als mit herkömmlichen Mobiltelefonen erlaubt, in Betrieb. In Europa verzögert sich dessen Einführung, u.a. da sich die europäischen Mobilkonzerne durch den Kauf von UMTS-Lizenzen stark verschuldet haben. Der Aufbau der Netze und die Entwicklung der neuen Standards ist sehr teuer. Wie sehen Sie die Chancen und Risiken dieser Innovation für die Entwicklung des Telekommunikationssektors?

Schaller: Die Risiken, welche aus der Finanzierung der UMTS-Lizenzen folgten, sind in Europa sicherlich vorhanden und dürfen nicht unterschätzt werden. Chancen bestehen im 3G Bereich jedoch darin, dass Anbieter die Wirelessinfrastruktur teilen und gemeinsam aufbauen, so wie dies letzthin die Töchter der Deutschen Telekom und Britisch Telekom bekannt gegeben haben. Zudem sind in Frankreich die Gebühren für die UMTS Lizenz von Orange halbiert worden, was ebenfalls als ein positives Signal gewertet werden kann, und auch die hoch verschuldete France Telecom begünstigt. Die Innovationen wie Multimedia, M-Commerce, Business Applications oder Entertainment werden nebst der herkömmlichen Sprachübertragung nicht zu imposanten Wachstumsgeneratoren führen, jedoch die ARPUs (Average Revenue Per User) voraussichtlich wieder stabilisieren und allenfalls ab 2003 wieder erhöhen. Mittelfristig können auch regulatorische Einschränkungen zu weiteren Risiken führen. Was macht Deutschland nach dem Entscheid von Frankreich? Chancen bieten sich hingegen weiter mit der Unternehmensgrösse (Skaleneffekte) und auch in Ländern mit verhältnismässig wenig Konkurrenz.


BEVAG: Welche Entwicklungen werden die Telekombranche zukünftig beherrschen und welche Teilbereiche bzw. Unternehmen innerhalb des Sektors werden davon am meisten profitieren?

Schaller: Aus technischer Sicht war vor allem kurzfristig der in Europa aufgrund von Strukturbereinigungen und Redimensionierungen in diesem Jahr negativ für die Kursentwicklung sowie teilweise die Vorwegnahme der neuen MSCI-Benchmarkgewichte. Mittel- und langfristig bevorzugen wir Firmen mit starker Marktposition und gesunder Bilanzstruktur. Wir haben auch angefangen, Positionen in stark fremdfinanzierten Unternehmungen zu reduzieren und überzeugende, junge Neuanbieter zu prüfen, zumal diejenigen, welche überleben werden, gestärkt aus der Konsolidierung bedingt durch die tiefere Konkurrenzsituation herausgehen werden.


BEVAG: Wie investieren Sie persönlich? Halten Sie auch Anteile Ihres Fonds?

Schaller: Bei der derzeitigen Bewertung im Telekombereich ist ein Einstieg für den langfristigen Investor auf jeden Fall interessant.

(Interview: BEVAG Better Value AG, Zürich)



Für zusätzliche Fragen steht Ihnen unsere UBS Fund Infoline (+41-1-235 36 36) zwischen 8.00 und 17.30 Uhr gerne zur Verfügung.