Ein Vergleichsindex ist von Natur aus rückwärts gewandt. Deswegen sollten Anleger bei der Portfoliokonstruktion Indizes ignorieren und sich auf die Nutzung von Analysen aus erster Hand konzentrieren, um Unternehmen guter Qualität mit langfristigen Perspektiven zu finden, rät Stephen Docherty von Aberdeen Asset Managers (Aberdeen AM). Docherty und sein Global Equities Experten-Team warnen deshalb seit langem vor benchmarkorientierten Anlagen. Die im Weltaktienindex MSCI World dominierenden USA seien beispielsweise seit dem Jahr 2002 die am schlechtesten abschneidende Anlageregion weltweit, heißt es im aktuellen "Global Equities Marktkommentar" von Aberdeen AM. Lesen Sie nachfolgend die ausführliche Einschätzung:

"Um den Vergleichsindex nicht zu unterbieten, gehen risikoscheue Manager benchmarknahe Positionen ein, mit teilweise gravierenden Folgen: Wer etwa in den Jahren vor der US-Hypothekenkrise sein Portfolio entlang des MSCI World Index konstruierte, leidet heute unter der Krise angelsächsischer Finanzwerte. Nach der Jahrtausendwende brachte ein Gewinnaufschwung britischer und US-amerikanischer Banken dem Sektor einen Boom, doch Anleger ignorierten dabei die Undurchsichtigkeit außerbilanzieller Finanzierungen und die Aufweichung der Ausleihkriterien.

Bis gegen Ende des Jahres 2006 repräsentierten Finanzwerte rund 26 Prozent des MSCI World Index. Obwohl vor allem angelsächsische Banken in den Weltaktienindizes eine große Rolle spielten, wurden sie von den Aberdeen-Weltaktienspezialisten schon seit vier Jahren gemieden. Aberdeen zog es vor, keine Exposition bei überschuldeten Verbrauchern in Großbritannien und den USA einzugehen. Das Indexgewicht der Finanzwerte ist durch den Kursverfall in Folge der US-Hypothekenkrise bis März 2008 auf 22 Prozent gesunken. Doch auch heute, nachdem die Kurse vieler namhafter angelsächsischer Großbanken deutlich gefallen sind, sieht Aberdeen weiterhin bessere Kaufmöglichkeiten bei Finanzwerten in anderen Teilen der Welt.

Interessante Bankenwerte jenseits der Krise

Derzeit setzt die Aberdeen-Mannschaft beispielsweise auf die Deutsche Postbank und das italienische Institut Intesa Sanpaolo, das nach einer Fusion signifikante Synergien erzielen kann. In den Schwellenländern favorisiert Aberdeen lokale Marktakteure wie die indische Privatbank ICICI; in Japan befinden sich einheimische Banken wie die Bank of Kyoto und die Bank of Yokohama verglichen mit Banken aus den USA und Großbritannien am anderen Ende des Zyklus. Auch in anderen Branchen zeigen Vergleiche, dass Größe nicht immer Qualität repräsentiert. Im Energiesektor etwa hat die brasilianische Petrobras ein viel stärkeres Produktionswachstum als die britische BP oder Total. Anleger belohnt Petrobras zudem mit einem hohen Dividendenwachstum.

Das Prinzip unbeschränkten Investierens

Das Prinzip unbeschränkten Investierens gilt bei Aberdeen auch auf der Branchenebene. Der Aberdeen World Equity Fund ist derzeit in Telekommunikationswerten übergewichtet - allerdings nicht wegen übergeordneter "Top-down-Betrachtungen" des Sektors, vielmehr einfach wegen des dort verfügbaren Wertes. In den letzten Jahren bauten die Aberdeen-Experten Telekom-Bestände aus, weil Unternehmen mit einem starken freien Cash-flow wie die britische Vodafone zunehmend attraktiv aussahen. Eher heimatorientierte Unternehmen im Portfolio sind Belgacom und Portugal Telecom. Durch das völlig unbeschränkte Investieren auf wahrhaft globaler Basis ist das Portfolio des Aberdeen World Equity Fund durch die Mischung der Unternehmen diversifiziert, sowohl in Bezug auf Länder und Regionen als auch hinsichtlich der Branchen. Der MSCI-Weltaktienindex weist dagegen eine starke US-Exposition auf, bildet die Schwellenländer aber kaum ab. Unter den Sektoren ist die Benchmark zwar breiter diversifiziert als der Fonds, doch dahinter steht eine feste Überzeugung: Wenn Aberdeen in einer Branche keine Werte findet, wird dort auch nicht investiert.

Chancen inmitten der Krise

Es ist die genaue Kenntnis einer Anlage, die Fondmanagern das Vertrauen gibt, eindeutige Wetten gegen die Benchmark einzugehen. Doch nur durch diese Abweichung kann der Vergleichsindex übertroffen werden. Vorausblickend erwartet Aberdeen eine weitere Abschwächung des globalen Wirtschaftswachstums, die USA werden wahrscheinlich in eine Rezession abgleiten, die wahrscheinlich jetzt schon anfängt. Zentralbanken werden weiterhin Liquidität in die Märkte pumpen durch Zinssenkungen und andere Maßnahmen wie etwa die Stützung der Interbanken-Leihe. Angesichts der aktuellen Unsicherheit werden die Aktienmärkte volatil bleiben, doch trotz des weit verbreiteten weltwirtschaftlichen Pessimismus sollten gut geführte Unternehmen weiterhin langfristig gute Erträge bringen. Die jüngste Marktvolatilität bietet daher die Möglichkeit, zu attraktiven Kursen bei diesen Unternehmen einzusteigen, vor allem in Europa und den Schwellenländern. Auf mittlere und lange Sicht, wenn das Vertrauen wiederhergestellt ist, sollte dies Anlegern positive Erträge bringen." (rmk)