Banken und Sparkassen stehen seit Längerem im Verdacht, systematisch zu niedrige Zinsen für Sparverträge gezahlt zu haben. Verbraucherschützer haben nun Indizien dafür gefunden, dass dieser Vorwurf stimmt, berichtet das "Handelsblatt". Bei der Nachkontrolle von Zinsberechnungen in langlaufenden Sparverträgen entdeckten die Verbraucherschützer in vielen Fällen offenbar falsche Berechnungen zu Ungunsten der Kunden.

Fast 140 Geldhäuser haben laut der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg Zinsanpassungsklauseln angewandt, die ihren Kunden zum Nachteil gereichten (die vollständige Übersicht finden Sie hier). Unter den Instituten, die diese Praxis anwandten, finden sich vor allem Sparkassen. Im Schnitt bekamen Sparer der Untersuchung zufolge 4.000 Euro Zinsen zu wenig. Der Spitzenbetrag liegt deutlich höher: Die höchste Summe, die ein Kunde nun nach Ansicht der Verbraucherschützer nachfordern kann, beträgt 78.000 Euro.

Finanzaufsicht bereits eingeschaltet
Die Bafin ist seit einigen Wochen damit beschäftigt, die Vorwürfe zu prüfen. Im Zuge dieser Untersuchung ist sie bereits bei vielen Kreditinstituten fündig geworden und hat falsche Zinsberechnungen zu Gunsten der Geldhäuser festgestellt. Falls die Finanzaufseher zu dem Ergebnis kommen, dass diese Fehlberechnungen System haben, drohen den betroffenen Instituten hohe Nachzahlungen.

Die Sparverträge, um die es geht, haben meist eine steigende Bonuszahlung und einen vertraglich zugesicherten variablen Grundzins. Letzterer ist an einen Referenzzinssatz gebunden, der wiederum die Marktentwicklung widerspiegeln soll. Die Verbraucherschützer kritisieren, dass Kunden bei vielen Verträgen nicht erkennen können, wie und weshalb sich der Grundzins verändert. Die Zinsanpassungsklauseln haben es den Banken ihrer Einschätzung nach ermöglicht, den Grundzins nach Belieben anzupassen, und sind damit rechtswidrig. (fp)