Die erfolgreichsten aktiven Fondsmanager weltweit entdecken offenbar wieder US-Investmentbanken für sich. Das zeigt die jüngste Auswertung des Human Intelligence Fonds von Greiff Capital, der die Portfolios von 128 besonders aktiven und erfolgreichen Aktienfondsmanagern analysiert. "Die aktuell größten Neuzugänge sind Goldman Sachs, Morgan Stanley und JP Morgan", sagt Volker Schilling, Vorstand von Greiff Capital Management, im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE.

Schilling sieht darin einen möglichen Hinweis auf die erwartete Börsengangswelle rund um KI- und Technologieunternehmen. Investmentbanken dürften als Konsortialführer und Platzierungsbanken zu den wichtigsten Profiteuren neuer IPOs zählen.

Fondsmanager mit hoher Aktivität und nachhaltiger Outperformance
Statt selbst Unternehmen zu analysieren, wertet das Team um Frank Termathe und Volker Schilling die größten Positionen jener Fondsmanager aus, die in einer proprietären Greiff-Studie durch hohe Aktivität und nachhaltige Outperformance aufgefallen sind.

"Mit dem Human Intelligence Fonds sind wir eigentlich Trittbrettfahrer", sagt Schilling. "Wir glauben nicht, dass wir in Freiburg im Schwarzwald mehr über eine Aktie herausfinden können als die 128 Fondsmanager, die wir beobachten, und deren Analystenteams."

"Noch ist es die Human Intelligence, die Alpha erzeugt"
Mit der Auswertung der Top-Positionen dieser Manager und der Identifikation von deren stärksten Überzeugungen sollen Veränderungen bei Sektor- und Markttrends frühzeitig sichtbar werden. "Wir haben zum Beispiel im Januar/Februar, also noch vor dem Iran-Krieg, gesehen, dass sich aktive Fondsmanager massiv in Ölaktien einkaufen. Aktuell greifen die besten Fondsmanager auch wieder bei Minenaktien zu." 

Schilling sieht die Quellen für Alpha derzeit weiterhin bei menschlichen Fondsmanagern: "Momentan wird Alpha im Fondsmanagement von guten Fondsmanagern erzeugt und nicht von der Maschine." Entsprechend kritisch fällt sein Urteil über KI-gesteuerte Fonds aus: "Wenn wir uns momentan von KI gesteuerte Fonds am Markt anschauen, dann sehen wir, dass die Ergebnisse erbärmlich sind." Sein Fazit: "Noch ist es die Human Intelligence, die Alpha erzeugt."

"Die meisten aktiven Manager sind ziemliche Index-Schmuser"
Umso interessanter sein Urteil über die ETF-Industrie. "ETFs waren die beste Disruption für wirklich aktives Fondsmanagement", sagt er. "ETFs haben dafür gesorgt, dass die Fondsmanager, die nur so tun, als wären sie aktiv, vom Markt verschwinden."

Viele sogenannten aktiven Manager seien in Wahrheit kaum von ihren Benchmarks abgewichen. "Die meisten sind sogar ziemliche Index-Schmuser", so Schilling. Nach seiner Ansicht ist aktives Management nur dann sinnvoll, wenn Fondsmanager tatsächlich bereit sind, deutlich von ihren Vergleichsindizes abzuweichen: "Ich kann ein Alpha nur durch Aktivität erzeugen. Wenn ich passiv bin, dann bin ich der Index." (dv)