Die DZ Bank legt börsengehandelte Fonds (ETFs) auf. Dabei arbeitet der zentrale Wertpapierdienstleister der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken mit der Service-Kapitalverwaltungsgesellschaft Han-ETF zusammen. Einen entsprechenden Bericht des Branchendienstes "ETF Stream" bestätigte die DZ Bank auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE.

Die Genossen planen demnach mit drei Aktienprodukten auf die Leitindizes MSCI World, S&P 500 sowie den Euro Stoxx 50. Ursprünglich wollte die DZ Bank die Vehikel bei dem ETF-White-Label-Dienst der Citigroup ansiedeln. Doch das Projekt namens Citi Velocity stampfte die US-Großbank unlängst ein, wie "ETF Stream" zuerst berichtete. Die DZ Bank siedelte in der Folge zum Londoner Dienstleister Han-ETF um, in Europa Pionier und Branchenprimus in dem Segment.

Umkämpfter Markt
Der Schritt der DZ Bank wirft mehrere Fragen auf. Warum legt das Institut börsengehandelte Fonds auf, wo doch mit Union Investment im genossenschaftlichen Verbund ein Asset Manager bereit steht? Deren Tochter Quoniam hatte vergangenen Dezember immerhin selbst aktive ETFs auf den Markt gebracht. Über welche Wege sollen die Produkte verkauft werden? Treten die ETFs in den Filialen der Volks- und Raiffeisenbanken in Konkurrenz zu den aktiven Fonds von Union Investment?

Oder erfolgt der Vertrieb nur über den verbundeigenen Robo Advisor Visualvest? Dieser hatte im Oktober 2025 angekündigt, seinen Kunden den Kauf von ETFs zu ermöglichen. Und weshalb steigt die DZ Bank ausgerechnet mit Standard-Barometern in das Geschäft ein? Immerhin gibt es auf MSCI World & Co. bereits viele ETFs, die allesamt niedrige Gebühren aufweisen. Die Aussichten, gegen diese etablierte Konkurrenz Boden zu gewinnen, wären eher gering.

Eigene ETFs als Basiswert
Doch der Hintergrund für die Auflage eigener ETFs sei vielmehr das Zertifikate-Geschäft des Instituts, wie die DZ Bank auf Anfrage von FONDS professionell mitteilte. "Als eine der größten Zertifikate-Emittentinnen Deutschlands bietet die DZ Bank seit vielen Jahren Anlagezertifikate auf Basis sogenannter Referenzwerte beziehungsweise Aktienindizes wie Euro Stoxx 50, S&P 500 oder MSCI World an", so eine Sprecherin. "Dabei kann es vorkommen, dass die DZ Bank am Ende der Laufzeit das entsprechende Referenzwertpapier, etwa den jeweiligen Aktienindex, an die Anleger liefern muss."

Hierfür griff das Institut bislang auf externe ETF-Anbieter zurück. Dem Vernehmen nach buchte die Bank meist Vehikel der ETF-Marke iShares des Branchenprimus Blackrock in die Depots der Kunden ein, wenn eine vorab festgelegte Schwelle gerissen wurde. "Für diese eventuelle Lieferung des Referenzwertpapiers wird die DZ Bank zukünftig auch auf eigene passive ETFs zurückgreifen", führte die Sprecherin aus. "Ein aktiver Vertrieb dieser ETFs ist nicht vorgesehen."

Gebühren vereinnahmen
Hinter dem Schritt steht augenscheinlich das wirtschaftliche Kalkül, selbst die Verwaltungsgebühren der ETFs zu vereinnahmen, wenn etwa bei Discount- oder Bonuszertifikaten eine gesetzte Schwelle nicht erreicht und das zugrundeliegende Wertpapier an die Anleger ausgeliefert wird. Die DZ Bank wies per Ende 2025 für den Privatanleger-Markt ein ausstehendes Zertifikate-Volumen in Höhe von fast 26 Milliarden Euro aus, wie Daten des Bundesverbands Strukturierte Wertpapiere (BSW) zeigen. Die Genossen sind demnach mit einem Anteil von 25 Prozent Marktführer in Deutschland.

Enorme Einnahmen dürften die Genossen mit den eigenen ETFs wiederum nicht erwarten. Immerhin soll die Auslieferung eines Basiswerts nicht der Regelfall bei Zertifikaten sein. Zudem ist unklar, wie lange die Zertifikate-Kunden der DZ-Bank – überwiegend aus dem Privatanleger-Umfeld – die eingebuchten ETFs am Ende in ihren Depots behalten. Das Kostenniveau bei ETFs auf Standardbarometer ist zudem niedrig. Die günstigsten Produkte auf den S&P 500 gibt es ab 0,03 Prozent per annum, beim Euro Stoxx 50 sind es 0,05 Prozent. Welche Gebührenhöhe die ETFs der DZ Bank aufweisen werden, ist noch nicht bekannt.

Einfache Auflage
Folgt man dem Kalkül der DZ Bank, müssen Auflage und Unterhalt eines börsengehandelten Fonds über einen Dienstleister wie Han-ETF so günstig sein, dass es sich am Ende lohnt, allein für solch einen Spezial-Fall eine eigene Produktlinie aufzubauen – statt die Einnahmen aus den Verwaltungsgebühren den etablierten ETF-Größen wie Blackrocks iShares, Xtrackers von der DWS oder Amundi zu überlassen. Oder die Genossen hängen ihren ETFs letztendlich ein Preisschild um, das deutlich über dem Marktniveau liegt. (ert)