Die Gründer von Startups haben immer eine bestimmte Geschäftsidee, an die sie fest glauben und die sie unbedingt umsetzen möchten. Das ist auch bei Fabian Mohr der Fall, dem Mitgründer des Fintechs Unitplus, das im Mai dieses Jahres an den Start ging. Der studierte Betriebswirt arbeitete rund vier Jahre als Aktienanalyst bei Flossbach von Storch und befasste sich dort mit Payment-Unternehmen. Dabei stellte er fest, dass sich sehr viele Leute Gedanken machen, wie sie den Zahlungsverkehr effizienter gestalten können. Zugleich wunderte er sich, dass die Deutschen sowie auch viele europäische Nachbarn immer noch viel Geld auf dem Konto versauern lassen statt es zu investieren. 

"Daher fragte ich mich, wie man die Flexibilität des Zahlungsverkehrs mit Investitionen verbinden kann", berichtet Mohr. Die Antwort auf diese Frage, die er zusammen mit seinen Co-Gründern Kerstin Schneider und Sebastien Segue gibt, ist Unitplus. Das Berliner Fintech, das über eine Lizenz als Finanzanlagenvermittler gemäß Paragraf 34f Gewerbeordnung verfügt, bietet eigenen Angaben zufolge eine "Weltneuheit" an: Ein ETF-basiertes Depot, über das Kunden mithilfe einer Debitkarte von Mastercard auch zahlen und sogar am Automaten Geld abheben können. "Wir sehen Unitplus als eine Verbindung von Tagesgeldkonten und langfristiger Vermögensanlage, sodass man langfristig anlegen kann und kurzfristig flexibel bleibt", so Mohr. Bei der Anlage stehen vier gemischte, aus Aktien- und Renten-ETFs bestehende Portfolios mit unterschiedlichen Risikoprofilen von ausgewogen bis offensiv zur Verfügung.

Lösung: Verkauf von ETFs und Zwischenfinanzierung
Wie funktioniert die Zahlung mit ETFs? "Wenn etwa einer unserer Kunden in einem Café einen Latte Macchiato für 4,40 Euro kauft, veräußern wir im Hintergrund dann anteilig ETFs aus seinem Depot. Weil das 'Clearing' der Anteile rund zwei Tage dauert, springen wir in der Zwischenzeit ein und finanzieren die 4,40 Euro vor." Da das Berliner Startup keine eigene Banklizenz hat, übernimmt der Partner Aion Bank diese Finanzierung. Das belgische Institut, das in Frankfurt eine deutsche und damit Bafin-regulierte Tochtergesellschaft hat, fungiert auch als Depotbank.

Mohr betont aber, dass das Angebot von Unitplus trotz der Zahlfunktion nicht als Ersatz für ein Girokonto gedacht ist. Der Investmentgedanke steht im Vordergrund, auch aus Eigennutz – das Startup ist daran interessiert, dass die Kunden sparen und anlegen statt zu shoppen. Denn Unitplus erhebt eine jährliche Gebühr von 0,5 Prozent, die sich am verwalteten Vermögen bemisst. Zusätzlich fallen zwei Euro im Monat an sowie 0,19 Prozent im Jahr für die Portfoliokonstruktion und zwei Euro für jede Bargeldabhebung. Dafür entfallen alle Depotgebühren und Transaktionskosten. Neben einer Einmalanlage ab einem sind auch Sparpläne ab diesem Betrag möglich.

Vertrieb auch über Miss Germany
Erste Kunden hat das Startup, das 16 Mitarbeiter beschäftigt, bereits. Wie viele das sind und wie hoch das verwaltete Vermögen inzwischen ist, verrät Mohr aber nicht. Marketing und Vertrieb laufen auch erst seit Kurzem. Das Fintech setzt hierbei auf Onlinewerbung über das eigene Internetportal und auf Social Media. Hinzu kommen Kooperationen, etwa mit den Miss Germany Studios, dem Veranstalter des bekannten Schönheitswettbewerbs. (jb)