Die Tarife der privaten Krankenzusatzversicherung (PKV) bieten gesetzlich Versicherten, die freiwillig- oder pflichtversichert sind, die Möglichkeit, das Versorgungsniveau zu erhöhen, damit sie im Krankheitsfall möglichst wenig selbst zahlen müssen. Auch PKV-Versicherte können ihren Versicherungsschutz mit Zusatztarifen ergänzen, dies ist aber nur in wenigen Ausnahmen sinnvoll, meint das Analysehaus Morgen & Morgen.

Morgen & Morgen betrachtet aktuell mehr als 670 Angebote der privaten Krankenzusatzversicherer, darunter auch zu Krankenhauszusatz, Krankentagegeld und ambulante Zusatztarife. "Die Angebote haben zugenommen, vor allem im Bereich der Zahnzusatztarife", beobachtet Thorsten Bohrmann, Versicherungsanalyst bei Morgen & Morgen.

Hohes Niveau bei den privaten Zahnzusatztarifen
Die Zahnzusatzversicherung als beliebteste Ergänzungspolice bietet über 170 Tarife mit weiteren Tarifkombinationen, die sich vor allem stark in der prozentualen Höhe der Leistung und den immer differenzierteren Bedingungen unterscheiden, zeigt sich im Rating von Morgen & Morgen. "Die Gesellschaften bieten im Wettbewerb derzeit zunehmend mindestens einen Tarif an, der alle Kosten abdeckt, also zu 100 Prozent leistet", so Bohrmann.

Die meisten Zahnzusatztarife übernehmen zwischen 70 und 90 Prozent der Behandlungskosten. Der Trend gehe zu immer mehr Leistungen und schließe beispielsweise auch Schönheitsbehandlungen wie das Bleaching ein. Damit verbunden ist eine größer werdende Spreizung der Beiträge. Bohrmann nennt ein Beispiel: Für die Übernahme von mindestens 70 Prozent Leistung bei Zahnersatz (kalkuliert mit Altersrückstellung) zahlt eine 30-jährige Angestellte zwischen 9,70 und 29,69 Euro Monatsbeitrag.

Mit oder ohne Altersrückstellung
Apropos Altersrückstellung: Es gibt auch sogenannte Risikotarife, die ohne Altersrückstellung kalkuliert werden, aber größtenteils mit zu Beginn festgelegten Beitragssprüngen. Makler müssen aufpassen: Diese Risikotarife sind bei Zahnzusatzversicherungen deutlich häufiger anzutreffen als Tarife mit Altersrückstellungen, die durchgängig einen konstanten Beitrag veranschlagen, sagt Bohrmann.

Doch der Markt tickt in Wahrheit noch komplizierter. Beide Varianten sind nicht frei von generellen Beitragsanpassungen. Diese seien in der PKV unter bestimmten Voraussetzungen möglich, heißt es in einem aktuellen Marktblick von Morgen & Morgen. Das wiederum hat Konsequenzen für die Beitragsstabilität der PKV generell.

Wirksame Hilfe bei der Marktrecherche
Nach Angaben des PKV-Verbandes gab es Ende 2019 mehr als 16,4 Millionen Zahnzusatzversicherungen, nachdem 389.00 Verträge neu hinzugekommen waren. Neuere Zahlen sind Ende September zu erwarten. Doch im so mancher Berater droht, sich im Tarif-Dschungel zu verlieren. "Es lohnt für Makler, sich einem Spezialisten anzuvertrauen, ehe er ins Beratungsgespräch geht", sagt Torsten Schmidt, Vorstand des Versicherungsmaklers Ideenwerk, einem auf Premium-Produkte spezialisierten Deckungskonzeptanbieter.

"Eine intensive Marktrecherche ist für Vermittler bei verhältnismäßig geringen Provisionen und der Menge an Tarifen kaum zu leisten", bestätigt Oliver Fink, Geschäftsführer des Softwarehauses Objective IT, das die Beratungs- und Analysesoftware "Levelnine" anbietet, die rund 400 Zahntarifkombinationen abgebildet. Doch gerade bei Zahnzusatzversicherungen bestehe die Gefahr, dass Kunden bei falscher Beratung unerwartet auf hohen Kosten sitzen bleiben.

Warum Risikotarife riskant sind
Im Detail lohnt sich für Makler auch die Analyse Bilanzkennzahlen – wegen der Beitragsstabilität. So berechnet die Bayerische ihre Zahnzusatzversicherung inzwischen nach Art der Schadenversicherung, also ohne Alterungsrückstellungen. Die Beiträge bleiben nach Unternehmensangaben mindestens fünf Jahre stabil – für die jüngeren Altersgruppen sollen es bis zu 15 Jahre sein. Ob das aufgeht, bleibt abzuwarten. "Der Versicherte kann sich womöglich seinen Schutz im höheren Alter, gerade wenn es darauf ankommt, nicht mehr leisten", kritisiert Gerd Güssler, Geschäftsführer des Analysehauses KVpro.de, die mutmaßlich wenig nachhaltige Kalkulation.  

Für Vermittler und deren Kunden auf der Suche nach einer passenden Zahnzusatzversicherung stellt sich die Frage, welche Tarife die besseren Leistungen beziehungsweise die kundenfreundlichsten Bedingungen enthalten. An dieser Stelle setzt das Morgen & Morgen-Rating zur Zahnzusatzversicherung an. Es zeigt deutlich die Unterschiede von 40 Anbietern mit 178 Tarifen, von denen 125 mit vier oder fünf Sternen bewertet wurden.

Zahnzusatz-Rating von Morgen & Morgen
Dabei setzt das Analysehaus 27 Mindestkriterien an, die unter anderem sicherstellen, dass die top bewerteten Tarife für Zahnersatz, Implantate sowie Inlays leisten, auf ihr ordentliches Kündigungsrecht verzichten und über Regelhöchstsätze der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) hinaus leisten. Knapp die Hälfte der Tarife erreicht die Bestbewertung von fünf Sternen. "Das Niveau in der privaten Zahnzusatzversicherung steigt stetig, seit 2019 hat die Anzahl der mit vier und fünf Sternen bewerteten Tarife um 26 Tarife zugenommen", so Bohrmann.

Das komplette Zahnzusatz-Rating und die Erläuterung gibt es auf der M&M-Homepage (externe Links). (dpo)