Nur gut einen Monat ist es her, dass wichtige Börsenindizes neue Rekordstände erreichten. Mittlerweile notieren Dax, Dow und andere Barometer ein gutes Drittel unter diesen Niveaus. Der Schuldige, das sich rasant verbreitende Coronavirus, darf mit Fug und Recht als schwarzer Schwan gelten, also als Ereignis, das sich nicht vorhersehen lässt. Die Aussichten für die Märkte waren allerdings schon zuvor getrübt: Landauf landab sprachen Fondsmanager davon, dass die Schwankungen zunehmen würden. Doch hatten sich die Fondslenker darauf auch eingestellt? Oder hat der Kurssturz die Manager vermögensverwaltender Fonds kalt erwischt?

FONDS professionell hat einige aktuelle und frühere Bestseller unter den milliardenschweren Mischfonds einem Krisencheck unterzogen. Dieser stützt sich auf Daten der Ratinggesellschaft Scope. Die Analysten haben für ihr neues Fondsportal "Scope Explorer" die Kennzahl "Crash Drawdown" ersonnen, die anzeigt, wie hoch der maximale Verlust eines Fonds in bestimmten Börsenkrisen ausfiel – festgemacht an vier Stressphasen.

Performance in schwierigen Zeiten
Das sind erstens die Finanzkrise nach dem Platzen der US-Immobilienblase und der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers 2008 und 2009 sowie zweitens die Eurokrise im Jahr 2011. Drittens machten die Experten die Ende 2015 und Anfang 2016 grassierende Angst vor einer Rezession aus und viertens den Herbst 2018, als zunächst die Furcht vor steigenden Zinsen und später der eskalierende Handelskonflikt zwischen China und den USA die Kurse einbrechen ließen.

Auf Wunsch von FONDS professionell ergänzte Scope nun eine fünfte Phase: die Ausbreitung des Coronavirus. Diese Krise ist noch in vollem Gange, das Abschneiden der analysierten Fonds darf daher nur als Zwischenfazit verstanden werden. Doch auch wenn die Kurse möglicherweise noch weiter fallen: Schon jetzt liegt der maximale Verlust vieler Fonds im Corona-Crash über dem Minus, das sie während der Finanzkrise verbuchen mussten. Ein wichtiger Grund: Nach der Lehman-Pleite dienten Staatsanleihen solider Schuldner noch als gute Krisenpuffer, heute gilt das nur noch eingeschränkt.


Die Ergebnisse für zehn milliardenschwere Mischfonds finden Sie in der Bilderstrecke oben – einfach weiterklicken!


Die Aussagekraft des "Crash Drawdown" mag insgesamt begrenzt sein, schließlich kommt es für den langfristigen Anlageerfolg darauf an, welche Performance ein Fonds unter dem Strich über den gesamten Zeitraum abgeliefert hat. Doch Beratern kann die Kennzahl in der Kommunikation mit ihren Kunden dabei helfen, die Anleger darauf vorzubereiten, auf welche Verluste sie sich in derartigen Stressphasen gefasst machen müssen. Denn auch wenn die Menschheit das Coronavirus hoffentlich bald im Griff hat: Der nächste schwarze Schwan ist an der Börse nie allzuweit entfernt. (bm/ert)