90 Milliarden mehr pro Jahr? Rentenreform könnte Kapitalstrom auslösen
Ein Stratege von Apollo Global Management rechnet infolge der Rentenreform mit erheblichen zusätzlichen Kapitalzuflüssen in die gesetzliche, betriebliche und private Altersvorsorge.
Deutschlands historische Rentenreform könnte die jährlichen Zuflüsse in die drei Säulen des Alterssicherungssystems um 90 Milliarden Euro erhöhen. Das erwartet Huw van Steenis, European Economic & Policy Strategist bei Apollo Global Management.
Die Reform könnte dazu führen, dass zwei Prozent der Gehälter in langfristige Sparanlagen fließen. Dies "deutet auf Zuflüsse von rund 30 Milliarden Euro pro Jahr" in die gesetzliche Säule hin, sagte Van Steenis. Zusätzliche Mittel für die private und die betriebliche Altersvorsorge könnten den Gesamtbetrag nach vollständiger Umsetzung aller Änderungen auf das Dreifache erhöhen. Die Bundesregierung hat dieses Jahr eine Reform des Rentensystems auf den Weg gebracht, die Bürger dazu bewegen soll, mehr Geld am Kapitalmarkt anzulegen.
Grundgedanke ist, ein System zu stabilisieren, das durch die Alterung der Bevölkerung zunehmend unter Druck gerät. Bislang stützt es sich zur Finanzierung eines großen Teils der Auszahlungen stark auf äußerst sichere, aber sehr niedrig rentierende Anlagen.
Deutschland bei Kapitaldeckung weit zurück
Deutschland habe "unter allen großen Industrieländern das am geringsten kapitalgedeckte Rentensystem", so Van Steenis. Das kapitalgedeckte Altersvorsorgevermögen belaufe sich lediglich auf sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In Schweden seien es 149 Prozent und in Kanada 185 Prozent.
"Die demografische Entwicklung und der Wunsch nach ausreichend großen inländischen Kapitalpools erzwingen nun Veränderungen", erklärt Van Steenis. "Deutschland beginnt damit, einen regelmäßigen institutionellen Kapitalstrom aufzubauen, der die deutschen Kapitalmärkte vertiefen wird." (mb/Bloomberg)















