Das Brexit-Theater geht weiter. Wie es genau enden wird, ist derzeit völlig unklar. Das Vereinigte Königreich hat aber deutlich gemacht, dass es die Europäische Union (EU) verlassen wird. Das hat Auswirkungen auf die Vermögensnachfolgeplanung bei unternehmerischen wie privatem Besitz. Darüber berichten in der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) die beiden Juristen Christian von Oertzen und Frank Hannes von der Partnerschaft Flick Gocke Schaumburg, Rechtsanwälte Wirtschaftsprüfer Steuerberater.
 
Die rechtliche Grundlage für Vergünstigungen, die das Erbschaftssteuerecht bei Objekten in anderen Ländern gewährt, setzt voraus, dass sich dieser Vermögensgegenstand innerhalb der EU oder dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) befinden muss. Eine beispielsweise jenseits des Ärmelkanals unmittelbar gehaltene englische Firma sei aber nach einem Brexit keine EU-Gesellschaft mehr, sondern eine sogenannte "Drittstaatengesellschaft".

Das Betriebsvermögen in solchen Drittstaaten ist damit erbschaftsteuerlich nicht mehr begünstigt, so die beiden Juristen. Wenn jemand nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU ein Unternehmen erbschaftsteuerschonend übergeben möchte, müsste er also umstrukturieren: Etwa, indem die englische Kapitalgesellschaft in eine deutsche Kapitalgesellschaftsholding einbracht wird.

Privatvermögen ebenfalls betroffen
Der Brexit und der künftige Status des Vereinigten Königreiches als Drittland wirken sich aber auch auf Privatvermögen aus. Die beiden Experten führen aus, dass das deutsche Erbschaftsteuerrecht die sogenannte "Familienheimbefreiung" bei Schenkungen oder Erbschaften unter Ehegatten kenne. Maßgebend dafür sei, dass die besagte Immobilie Hauptwohnsitz der Familie ist – und in der EU und dem EWR liegt.

Eine deutsche Familie, die beruflich bedingt in London in einem Eigenheim lebt, "kann während der Phase des Secondments nicht mehr diese Immobilie nach dem Brexit steuerfrei zwischen den Ehegatten verschenken oder vererben", betonen die Juristen. Entsprechendes gelte für zu Wohnzwecken fremdvermieteten Grundbesitz. "Dieser erhält einen zehnprozentigen Abschlag. Auch diese Begünstigung knüpft daran an, dass das fremdvermietete Grundstück innerhalb von EU oder EWR liegt." (jb)