Altersvorsorge: Finanzbranche macht sich für schnelle Reformen stark
Über 30 Finanzunternehmen fordern die Bundesregierung in einem gemeinsamen Appell dazu auf, die steuerlich geförderte private Altersvorsorge zügig zu reformieren. Zu den Unterzeichnern des Positionspapiers zählen auch Anbieter von aktiv gemanagten Fonds und ETFs.
In einem gemeinsamen Positionspapier fordern mehr als 30 Unternehmen aus der Finanzbranche Tempo bei der Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge. Dies teilt die Geldanlage-Plattform Growney mit, die zu den Unterzeichnern gehört. Auch große Neobanken wie N26 oder DKB, Trading-Apps wie Scalable Capital oder Smartbroker, der Tech-Investor Frank Thelen, die Fondshäuser Amundi, Blackrock, Franklin Templeton sowie der ETF-Anbieter Vanguard haben das Papier unterschrieben.
Die Unternehmen fordern die Regierung darin auf, für die Bundesbürger zügig innovative und einfache Wege zu schaffen, die sie in die Lage versetzen, die Chancen der Kapitalmärkte für die eigene Altersvorsorge und den Vermögensaufbau nutzen zu können. "Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland bei der Altersvorsorge hinterher – das Rentensystem setzt weiterhin stark auf die umlagefinanzierte gesetzliche Rente und wenig auf die private Altersvorsorge", stellen die Finanzexperten fest. Das Rentenniveau liege hierzulande derzeit bei nur etwa 48 Prozent und somit 14 Prozentpunkte unterhalb des europäischen Durchschnitts.
Klarer Trend in Richtung Kapitalmarkt
Einen Grund dafür sehen die Unterzeichner im Scheitern der Riester-Rente, die vor rund 20 Jahren eingeführt worden war, jedoch nur rund 16 Millionen Verträge erreicht habe, von denen viele ruhen oder gekündigt worden seien. Für Deutschland erkennen die Unternehmen nun einen "klaren Trend in Richtung Kapitalmarkt". Millionen neue Depots belegten, dass ein großer Teil der Bevölkerung aktiv Vermögensaufbau und Altersvorsorge an den Märkten sucht.
Ausdrücklich begrüßt werden die Ideen eines Frühstart-Depots für Kinder ab sechs Jahren und eine Reform der privaten Altersvorsorge mit hoher Flexibilität. "Als führende digitale Banken und Broker sowie Asset Manager in Deutschland, die einen Großteil der Bevölkerung zu ihren Kunden zählen, unterstützen wir nachdrücklich das vom Koalitionsausschuss in der letzten Woche noch einmal bestätigte Vorhaben der Bundesregierung, eine Frühstart-Rente einzuführen und die Riester-Rente zu reformieren", schreiben die Finanzexperten. Diese Projekte sollten schnellstmöglich realisiert werden.
Fünf Eckpunkte
Für die erfolgreiche Umsetzung der beiden Reformvorhaben sind aus Sicht der Unterzeichner des Positionspapiers fünf Eckpunkte von großer Bedeutung. Diese waren größtenteils auch schon für das sogenannte Altersvorsorgedepot kennzeichnend, das Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) in der vergangenen Legislaturperiode vorangetrieben hatte. Mit dem Scheitern der Ampel-Koalition war das Vorhaben zunächst jedoch auf Eis gelegt worden.
Zum einen sollte die Frühstart-Rente beim Erreichen der Volljährigkeit eines Sparers automatisch in ein normales Altersvorsorgedepot umgewandelt werden, sodass sich die Altersvorsorge friktionsfrei fortsetzen lässt, konstatieren die Unternehmen. Zum zweiten fordern sie einen Verzicht auf Kapitalgarantien und auf eine verpflichtende Verrentung.
Maximale Flexibilität
Weiterhin sollte nach Auffassung der Experten in der Auszahlungsphase maximale Flexibilität bestehen. "Dies beinhaltet neben einem Auszahlungsplan auch die Möglichkeit einer (Teil-)Entnahme oder den Beginn der Auszahlungsphase vor dem Eintritt in die gesetzliche Rente", schreiben die Unternehmen.
Darüber hinaus sollten bei der Frühstart-Rente auch Einzahlungen zugelassen werden, damit etwa Eltern oder Großeltern die Möglichkeit haben, aktiv zur Rente ihrer Kinder und Enkel beizutragen. Und nicht zuletzt sprechen sich die Unterzeichner des Papiers dafür aus, dass alle in Deutschland Steuerpflichtigen einen Anspruch auf ein Altersvorsorgedepot haben sollten. (am)















