Altersvorsorgedepot: Kostendeckel belastet vor allem junge Sparer
Für die Standardversion des Altersvorsorgedepots plant die Bundesregierung, einen Kostendeckel von 1,5 Prozent anzusetzen. Das ist zu viel, findet der ehemalige Verbraucherschützer Axel Kleinlein. Vor allem junge Menschen wären durch Effektivkosten in dieser Höhe stark belastet.
Die Bundesregierung hat sich auf die Fahne geschrieben, die staatlich geförderte Altersvorsorge in der laufenden Legislaturperiode ganz neu aufzustellen. Der Entwurf für das Altersvorsorgereformgesetz, über den der Bundestag am kommenden Donnerstag (26.2.) diskutieren wird, enthält allerdings eine Passage, die in der Finanz- und Versicherungsbranche sowie im politischen Berlin für Unmut sorgt. Diese sieht einen Kostendeckel in Höhe von 1,5 Prozent für die Standardversion des Altersvorsorgedepots vor.
Der Bundesrat hat den Kostendeckel bereits als zu hoch befunden. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sowie die Vermittlerverbände AfW und BVK kritisieren hingegen, dass eine solche Begrenzung der Effektivkosten wirtschaftlich schwierig sei. Gute Finanz- und Versicherungsberatung koste nun einmal Geld.
Konkret durchgerechnet
Nun hat sich auch der Versicherungsmathematiker und ehemalige Vorstandsvorsitzende des Bundes der Versicherten (BdV), Axel Kleinlein, in die Diskussion um den geplanten Kostendeckel eingeklinkt. Auf der Website seines Unternehmens Mathconcepts rechnet er vor, wie sich Effektivkosten von 1,5 Prozent auf den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge auswirken würden. Sein Ergebnis: Vor allem junge Sparer würde ein Kostendeckel in dieser Höhe stark belasten.
Kleinleins Berechnungen zeigen, dass ein heute 20-Jähriger mehr als ein Drittel seiner Einzahlungen verlieren würde, wenn die Effektivkosten bei 1,5 Prozent lägen. Bei einer angenommenen Rendite von fünf Prozent und einem monatlichen Sparbetrag von 100 Euro über 47 Jahre würden ihm mehr als 78.000 Euro entgehen, rechnet der Aktuar vor.
Mehr als ein Drittel des Sparbeitrags
Statt knapp 220.000 Euro hätte der Mustersparer zu Rentenbeginn lediglich noch rund 141.000 Euro zur Verfügung. Dies entspreche einem effektiven Kostenabzug von gut 35 Euro pro Monat, was mehr als einem Drittel des Sparbeitrags entspricht. Bei einem heute 50-Jährigen, der bis zum 67. Lebensjahr ebenfalls 100 Euro monatlich in ein Standarddepot fließen ließe, läge die effektive Kostenbelastung dagegen nur bei rund 12,82 Euro pro Monat. Der Grund dafür liege im Zinseszinseffekt, erklärt Kleinlein. Je länger ein Sparprodukt läuft, desto stärker wirkten sich die Effektivkosten auf die Höhe des später zur Verfügung stehenden Kapitals aus.
"Dieser Kostendeckel ist zu hoch und ein Freifahrtschein, besonders junge Kunden zu schröpfen", befindet Kleinlein. Zudem kritisiert er, die Angabe der Effektivkosten sei nur für einen Finanzmathematiker wirklich verständlich und gebe kein Gefühl für die echte Kostenbelastung.
Mehr Klarheit
"Gut gemeint ist nicht gut gemacht", konstatiert der frühere Verbraucherschützer. "Wenn wir besonders junge Menschen dazu animieren wollen, fürs Alter vorzusorgen, dann müssen die Kosten runter", resümiert er. Außerdem hält er einen Kostendeckel für besser, der sich direkt auf den Sparbeitrag bezieht. "Nur wenn klar ist, welcher Anteil meines Sparbeitrags für Kosten abgezogen wird, dann kann ich günstige oder teure Verträge erkennen", so Kleinlein. (am)















