Die Finanzaufsicht Bafin hat die ersten Ergebnisse ihrer Mystery-Shopping-Pilotstudie veröffentlicht. Diese finden sich in der Dezember-Ausgabe des "Bafin-Journals" – und zeigen bereits deutliche Mängel in der Anlageberatung bei Banken und Sparkassen. So stellen die Institute ihren Kunden häufig nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Verbraucherinformationen zur Verfügung. In jedem dritten Beratungsgespräch fehlen wichtige Dokumente. 

Das im Juni dieses Jahres in Kraft getretene Finanzmarktintegritätsgesetz (FISG) erlaubt es der Bafin, Mystery-Shopping vorzunehmen. Dabei treten geschulte Testkäufer inkognito als Kunden bei Banken, Versicherern oder anderen Finanzdienstleistern auf. Sie beobachten, wie die Unternehmen vorgehen und ob sie gesetzliche Regelungen einhalten. 

Stichprobe mit 36 Testkäufen
Gleich nach dem Inkrafttreten des FISG hat die Finanzaufsicht vier Mystery-Shopping-Agenturen für eine Pilotaktion unter Vertrag genommen, wie das "Bafin-Journal" berichtet. Die Tester ließen sich bei Banken und Sparkassen zum Thema Geldanlange beraten. Für repräsentative Schlussfolgerungen ist die Stichprobe mit insgesamt 36 Testkäufen der Bafin zufolge zwar zu klein. Sie eröffnet aber zumindest einen ersten Blick auf die Realität der Anlageberatung der Institute.

Die Testkäufer prüften in den drei Kundengruppen Senioren, Berufstätige und Jugendliche, ob Banken und Sparkassen in der Beratung die gesetzlich vorgegebenen Informationsdokumente zur Verfügung stellten. Dabei seien bei fast allen getesteten Banken und allen Kundenprofilen Mängel festgestellt worden, schreibt das "Bafin-Journal". Besonders häufig kam es dazu  allerdings in der Gruppe der Senioren, wo es in der Hälfte der Beratungsgespräche Beanstandungen gegeben habe. Über alle Kundenprofile hinweg fehlte in elf Prozent der Fälle die Geeignetheitserklärung, bei 14 Prozent der Beratungsgespräche wurde die Ex-ante-Kosteninformation nicht zur Verfügung gestellt. In acht Prozent der Tests mangelte es sogar an beiden Dokumenten.

"Testlauf eindeutig zu begrüßen"
"Die Untersuchung der Bafin ist ein Testlauf, aber eindeutig zu begrüßen", kommentiert Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), die Pilot-Studie. Für effektiven Verbraucherschutz am Finanzmarkt müssten Politik und Aufsicht zwei Gänge hochschalten, ist er überzeugt. "Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass Verbraucherschutz bei der weiteren Reform der Finanzaufsicht eine zentrale Rolle spielt und die Bafin entsprechend gestärkt wird", so Müller. 

Die Finanzaufsicht selbst nehme Ergebnisse ernst, schreibt das "Bafin-Journal". Künftig werde es deshalb darauf ankommen, den ersten Eindruck durch weitere Mystery-Shopping-Einsätze zu überprüfen. Die im Pilotprojekt auffällig gewordenen Institute wird die Aufsicht mit Testergebnissen konfrontieren. (am)