Felix Hufeld will  trotz massiver Kritik an seiner Person im Zusammenhang mit dem Wirecard-Skandal sein Amt nicht aufgeben. "Wenn man Präsident der Bafin ist, muss man das aushalten oder sich einen anderen Job suchen", sagte er laut einem Bericht von "Spiegel Online" auf einer Bankenkonferenz in Frankfurt. Er werde seine Aufgaben mit der gleichen Energie und Leidenschaft erfüllen wie bisher. Dem Bafin-Chef und seiner Behörde wird vorgeworfen, bei der Kontrolle von Wirecard versagt zu haben

Dem widersprach Hufeld auf der Tagung energisch: "Wir haben unsere Pflichten erfüllt", zitiert ihn das Nachrichtenmagazin. Zugleich räumte er jedoch ein: "Wir haben uns zu lange auf die formal korrekten Verfahren verlassen. Wir haben vor lauter Bäumen den Wald nicht gesehen." Die Bafin habe es wie zahlreiche andere Beobachter erst zu spät für möglich gehalten, dass bei Wirecard ein so großes Maß an krimineller Energie vorlag. "Mit dem Wissen von heute hätten wir in fünf Minuten die Staatsanwaltschaft angerufen und gesagt: 'Verhaftet diesen Haufen Krimineller'.".

Probleme bei Aufsicht von Digitalgesellschaften
Der Behördenchef führte im Detail aus, dass man formaljuristisch nichts falsch gemacht habe. Denn die Bafin war streng genommen nur für die Wirecard Bank zuständig, nicht für den Rest des Konzerns, so die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Genau das sei aber das Problem. Die fortschreitende Digitalisierung sorge dafür, dass Konzerne unübersichtlicher würden. Hufeld nennt es laut der FAZ ein "komplexesGestrüpp", in das Aufseher bei Fintechs und auch Wirecard geraten. 

Die FAZ merkt an, dass Hufeld diese Probleme schon vor längerer Zeit angesprochen hatte. "Die Zahl der Teilnehmer einer Prozesskette nimmt zu", hatte Hufeld in einem Interview vor drei Jahren gesagt. Man müsse nur an die Cloud-Anbieter oder Anwendungen auf Basis Künstlicher Intelligenz und algorithmusbasierter Modelle denken. "Was diese Entwicklungen im Einzelnen in Zukunft bedeuten, müssen wir beobachten, mitlernen und auf mögliche regulatorische und aufsichtsrechtliche Konsequenzen interpretieren. Da kommt so manche Hausaufgabe auf uns zu", zitiert die FAZ aus dem damaligen Gespräch.

Christian Sewing springt Bafin zur Seite
Unterstützung bekam Hufeld übrigens von Christian Sewing. Der Deutsche-Bank-Chef warnte der FAZ zufolge auf der gleichen Veranstaltung davor, nicht auf handelnde Personen zu zielen und jemanden vorschnell an den Pranger zu stellen. Man sollte eher versuchen, aus der Causa Wirecard die richtigen Schlüsse zu ziehen und die Finanzaufsicht in Deutschland zu optimieren. (jb)