Julia Wiens, Exekutivdirektorin Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht bei der Bafin, hat auf einer Veranstaltung in Berlin aus Sicht ihrer Behörde Stellung zu der geplanten Reform der privaten Altersvorsorge bezogen, wie die Bafin berichtet. Wiens betonte, dass die Finanzaufsicht das Gesetzgebungsverfahren sehr aufmerksam beobachte. Schließlich werde das neue Gesetz große Auswirkungen auf die Verbraucher wie auch die Lebensversicherer haben.

Das parlamentarische Verfahren sei zwar noch nicht abgeschlossen, auf ein paar Aspekte ging Wiens dennoch ein – darunter die vorgesehene Begrenzung der Kosten auf 1,5 Prozent. "Aus Verbraucherschutz-Perspektive begrüßen wir es, wenn Produkte günstiger werden. Aus Perspektive der prudenziellen Aufsicht ist uns aber wichtig, dass Versicherer profitabel arbeiten. Die neuen Altersvorsorgeprodukte sollten also möglichst wenig Kosten produzieren", sagte sie.

Höhere Kosten aufgrund der Beratung zu Produktwechseln
Eine höhere Kostenbelastung befürchtet die oberste Versicherungsaufseherin noch aus einem anderen Grund: die vorgesehenen Wechselrechte. Verbraucher sollen bestehende Riester-Verträge auf die neue Fördersystematik umstellen oder ihr Kapital auf einen Vertrag nach dem neuen Gesetz übertragen können. "Daraus kann sich ein erhöhter Informations- oder Beratungsbedarf ergeben. Mit entsprechender Wirkung auf die Kosten", warnte die Bafin-Direktorin.

Ferner sprach sie ein Problem für die Gesellschaften an. Wenn viele Kunden das Wechselrecht nutzen und ihre Verträge und auch Anbieter wechseln, bekommen die Versicherer Schwierigkeiten bei der Liquidität – und müssen mit sinkenden Erträgen rechnen. "Die Lebensversicherer haben es in der Hand, dieses Abwanderungsrisiko zu reduzieren. Indem sie selbst neue wettbewerbsfähige Produkte einführen, sofern sie dazu in der Lage sind. Und indem sie ihre Kundinnen und Kunden informieren und beraten. Gleichzeitig sollten sie natürlich die möglichen Auswirkungen eines vermehrten Anbieterwechsels in ihrem Risikomanagement berücksichtigen", mahnte Wiens. (jb)