Unternehmen der Finanzbranche werden sich künftig stärker mit Nachhaltigkeitsrisiken auseinandersetzen müssen, die ihr Geschäft mit sich bringt. Dazu fordert sie ein Merkblatt auf, das die Finanzaufsicht Bafin vor kurzem in seiner finalen Fassung vorgelegt hat. Dies berichten diverse Medien, darunter das "Handelsblatt".

Das Merkblatt beschäftigt sich in erster Linie mit dem Thema Risikomanagement. Als Teilaspekt bekannter Risikoarten wie Kreditausfall- und Marktrisiken seien hier auch Nachhaltigkeitsaspekte zu bedenken, erklärt die Bafin. Unternehmen, die unter ihrer Aufsicht stehen, sollen daher eine Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsrisiken sicherstellen und dies in angemessener Weise dokumentieren. Dafür sollen möglichen Gefahren dieser Art "in den schriftlichen Risikomanagementrichtlinien ausdrücklich berücksichtigt werden", zitiert das "Handelsblatt" aus dem Bafin-Dokument.

Riskante Veränderungen
Eine konkrete Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken erscheint der Behörde notwendig, da Veränderungen, etwa in den Bereichen Umwelt, Soziales oder in der Regulierung, immer auch Gefahren bergen. Wie gut und wie schnell sich Unternehmen auf solche veränderten Gegebenheiten einstellen, ist mitentscheidend für ihre Zukunftsfähigkeit. Dies wiederum kann Auswirkungen auf Kreditgeber, Anleger oder Versicherungsnehmer haben. Daher will die Bafin Banken, Fondsanbietern und Versicherungen mit ihrem Merkblatt eine "Orientierung" für den Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken geben.

Die Bafin diskutiere in dem Schreiben auch denkbare Reaktionsmuster, schreibt das "Handelsblatt". So könnten beispielsweise Banken ihr eigenes Risiko verringern, indem sie ihre Kunden in Kreditverträgen dazu verpflichten, Nachhaltigkeitsrisiken zu reduzieren

Es geht nur noch um das "Wie"
Auch wenn Bafin-Merkblätter keine Gesetzeskraft haben, werden Finanzunternehmen kaum darum herumkommen, entsprechende Gefahren in Zukunft stärker zu prüfen und zu dokumentieren. Um das "Ob" gehe es dabei schon längst nicht mehr. Es komme vielmehr auf das "Wie" an, erklärt Frank Pierschel, bei der Finanzaufsicht für Nachhaltigkeitsthemen zuständig, in der aktuellen Ausgabe des "Bafin-Journals". Dafür spreche zudem, dass sich außer der deutschen Finanzaufsicht auch die europäischen Aufsichtsbehörden und die Europäische Zentralbank mit diesem Thema befassten. (am)