Die Finanzaufsicht Bafin hat sich dagegen ausgesprochen, sogenannte "Payment for Order Flows" (PFOF) generell zu verbieten, auch wenn sie gewissen Bedenken hegt. Die deutsche Behörde stellt sich damit gegen die Europäische Kommisssion und die europäische Wertpapieraufsicht Esma, die diese verbieten wollen. Das geht aus einer Mitteilung der Bafin hervor.

Unter PFOF versteht man eine gerade bei Neobrokern verbreitete Vergütungspraxis, bei der die Broker Aufträge an größere Wertpapierhändler weiterleiten, die die Order auf ihren eigenen Handelsplattformen platzieren statt direkt an der Börse. Für diesen Vorgang erhalten die Neobroker eine Provision und können daher Kunden mit dem Angebot von sehr günstigen oder sogar Gratis-Transaktionen werben – ein Wettbewerbsvorteil gegenüber traditionellen Banken und Finanzdienstleistern

Die EU- Behörden bemängeln Interessenkonflikte aufgrund der PFOF. Sie befürchten, dass die Rückvergütungen der Handelspartner die Neobroker zu Entscheidungen bewegen könnten, die nicht im Anlegerinteresse sind. Das würden Studien nahelegen. Die Bafin ist in einer eigenen Untersuchung der Methodologie dieser Studien gefolgt, kommt aber zu einem anderen Ergebnis: Für Kundenaufträge mit kleineren Volumina sei die Ausführung über PFOF gewährende Handelsplätze überwiegend vorteilhaft. "Denn sofern Transaktionskosten berücksichtigt wurden, waren die Ergebnisse für Kunden mehrheitlich besser als an den Referenzmärkten" schreibt die Bafin. Bei höheren Transaktionsvolumen und niedrigerer Liquidität an den Referenzmärkten gingen diese Vorteile jedoch verloren. Allerdings: Ob das PFOF-Modell dafür die Ursache sei, lasse sich nicht feststellen. 

Bafin-Manager fordert weniger restriktive regulatorische Maßnahmen 
"Vor einem Verbot von Payment for Order Flow sollten wir Aufseher die Auswirkungen umfassend analysieren und über weniger restriktive regulatorische Maßnahmen nachdenken", fordert daher Thorsten Pötzsch, Exekutivdirektor Wertpapieraufsicht der Bafin. Dazu sollen die Erkenntnisse aus der Studie beitragen. Die Bafin sehe die Risiken, die mit Payment for Order Flow einhergehen, sie sehe aber auch die Vorteile – zum Beispiel die Reduktion der Transaktionskosten. Der Worst Case, dass ein übereiltes Verbot nur den Handel für Privatkunden verteuere, ansonsten aber nichts bewirke, müsse schon aus Verbraucherschutzgründen ausgeschlossen werden, macht Pötzsch deutlich. (jb)