Exakt 87 mal: So oft musste die Finanzaufsicht Bafin im vergangenen Jahr Verbote gegen Gesellschaften wegen des Betriebs unerlaubter Finanzgeschäfte aussprechen. Dabei sind nach Schätzungen der Behörde Schäden in einem "substanziellen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich" entstanden, wie Thorsten Pötzsch, Bafin-Ressortleiter für unerlaubte Geschäfte, in einem Interview mit dem "Handelsblatt" verrät.

Dem ehemaligen Ministerialbeamten zufolge sind die Personen hinter den Gesellschaften und den Investmentangeboten sehr kreativ. "Eine Firma sammelte Geld ein, um Olivenhaine zu verkaufen, diese dann zu pachten und anschließend zum Einstiegspreis zurückzukaufen", nannte Pötzsch ein Beispiel für den Ideenreichtum der "Branche", die nicht selten mit krimineller Energie zu Werke gingen.

"Hohe Renditen vernebeln den Verstand"
Weiter beobachtet die Bafin auch, dass häufig international tätige Netzwerke die Regelungen umgehen oder sie schlicht ignorierten. "Grundsätzlich kann man beobachten, dass es durch die Digitalisierung leichter geworden ist, grenzüberschreitend kriminellen Geschäften nachzugehen", stellt Pötzsch in dem Gespräch mit der Wirtschaftszeitung fest.

Auch auf die Frage, warum Anleger überhaupt auf die Idee kommen, Geld in Olivenhaine oder undurchsichtige Kryptowährungen und auf ihnen basierende digitale Börsengänge (ICOs) zu stecken, hat er eine Antwort: "Bei einigen vernebelt die Aussicht auf hohe Renditen offenbar den Verstand – gerade in Zeiten des Niedrigzinsumfelds." Dabei sollte sich jeder bewusst sein, dass eine hohe Rendite auch ein hohes Risiko bedeute – bis hin zum Totalverlust. 

Die hierfür zuständige Bafin-Abteilung versuche zwar, mit ihren rund 70 Mitarbeitern entgegenzusteuern und zu verhindern, dass Kunden überhaupt Angebote sehen, die ihnen die Sinne vernebeln. In Deutschland selbst könne die Behörde diese Firmen in aller Regel schließen. Bei Anbietern mit Sitz im Ausland könne die Aufsicht nur die Tätigkeit untersagen, inländische Vermittlernetze zerschlagen und potenzielle Kunden warnen, so Pötzsch gegenüber dem Handelsblatt. (jb)