Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) plant, die Vermarktung, den Vertrieb und den Verkauf von binären Optionen an deutsche Privatkunden zu untersagen. Dazu hat sie heute den Entwurf einer Allgemeinverfügung veröffentlicht. Die deutsche Aufsicht bereitet sich damit auf das Auslaufen der Produktinterventionsmaßnahme der Europäischen Wertpapier-und Marktaufsichtsbehörde ESMA vor. Diese hat diese Produkte seit März vorübergehend verboten, da sie sie als zu risikoreich einstuft. 

Damit untersagt die Bonner Behörde bereits zum zweiten Mal den Vertrieb eines Finanzproduktes an Privatanleger komplett. Im Mai vergangenen Mai hatte sie den Vertrieb und Verkauf von finanziellen Differenzkontrakten (Contracts for Difference, CFDs) mit Nachschusspflicht an Privatkunden vollständig verboten (FONDS professionell ONLINE berichtete). 

Optionen werden wertlos
"Binäre Optionen stellen gerade in der aktuellen Niedrigzinsphase ein besonders verlockendes Angebot für Kleinanleger da", stimmt Bafin-Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele der ESMA zu. "Sie können auf leicht zugänglichen Online-Plattformen gehandelt werden und versprechen hohe Renditen. Die Praxis hat aber gezeigt, dass die Produkte für Kleinanleger extrem verlustreich und sehr riskant sind", mahnt sie. 

Zur Erklärung: Binäre Optionen sind Hebelprodukte und stellen eine Wette auf ein zuvor definiertes Ereignis wie das Erreichen eines bestimmen Kurszieles dar. Tritt dieses ein, erhält der Käufer einen festgelegten Betrag, andernfalls verfällt die gekaufte Option wertlos.

Interessenskonflikte bei Anbietern
Risiken und damit erhebliche Angelegerschutzbedenken sieht die deutsche Aufsicht vor allem darin, dass die Optionen komplex und wenig transparent sind. Dies gilt vor allem für die Berechnung ihrer Wertentwicklung und den Kurs des zugrundeliegenden Basiswerts. Anders als andere Finanzinstrumente würden binäre Optionen auch nicht an einem vollregulierten Markt gehandelt, bei dem sich die Preise aus Angebot und Nachfrage ergeben. Der Anbieter setzt den Preis vielmehr selbst fest, ohne dass die Kunden diesen nachvollziehen und prüfen können. 

Daneben würden Anbieter von binären Optionen regelmäßig zur direkten Gegenpartei ihrer Kunden. Die Interessen der Anbieter stehen also in unmittelbarem Konflikt zu den Interessen der Kunden. Anbieter könnten beispielsweise den Preis des Basiswerts bei Ablauf der binären Option zu eigenen Gunsten manipulieren oder die Laufzeit der binären Option um Sekunden oder Millisekunden so verändern, dass der Optionskontrakt nicht auszuzahlen wäre. (jb)