Kriminelle legen mitunter eine beachtliche Kreativität an den Tag, wenn es darum geht, Bankkunden um ihr Erspartes zu bringen. Der Limburger Rechtsanwalt Franz Giebeler macht nun auf einen ungewöhnlichen Fall aufmerksam – der unter dem Strich aber nicht den Kunden, sondern die Volksbank vor Ort teuer zu stehen kam.

Doch von vorne: Der Geschädigte hob im Juni vergangenen Jahres 100 Euro an einem Geldautomaten in Diez (Rhein-Lahn-Kreis) ab, berichtet die "Rhein-Zeitung". Als er die Bank mit zwei 50-Euro-Scheinen verlassen hatte, sprach ihn ein Unbekannter an: Er habe einen 50-Euro-Schein im Automaten vergessen. Tatsächlich: Dort lag noch eine Banknote. Der Trickbetrüger habe ihm darauf hin geraten, seine Bankkarte noch einmal in den Automaten zu stecken und seine PIN einzugeben, um eine Quittung zu erhalten.

"Kurze Zeit später fiel meinem Mandanten aber ein, dass er die Bankauszüge inzwischen elektronisch erhält", zitiert die Regionalzeitung den Anwalt. Also habe er den Vorgang abgebrochen, ohne die PIN erneut eingegeben zu haben. Der Betrüger habe seinen Mandanten daraufhin in ein Gespräch verwickelt, die Bankkarte aus dem Schlitz gezogen und sie dem Kunden überreicht. Nur: Dabei handelte es sich gar nicht um seine Karte – der Straftäter hatte sie ausgetauscht. Zuhause angekommen, war es zu spät: Auf dem Konto fehlten da bereits 2.900 Euro.

Liegt eine "grob fahrlässige Verletzung der Sorgfaltspflicht" vor?
Doch wer haftet für den Schaden? Weil die Bank nicht gleich zahlen wollte, kam es zum Zivilprozess vor dem Amtsgericht. Dort argumentierte Giebeler, sein Mandant habe das Ausspähen der PIN und den Kartenmissbrauch nicht bemerken können – wegen des mangelnden Sichtschutzes zwischen den Geldautomaten. "Auf dem Video der Überwachungskamera war während der ersten Geldabhebung am Nachbarautomaten ein Mann zu sehen", zitiert die "Rhein-Zeitung" den Anwalt. Das sei wohl der Täter gewesen, der die PIN ausspähte.

Die Bank wollte den Schaden jedoch nicht erstatten. Ihrer Meinung nach habe der Kunde den Diebstahl erst durch eine "grob fahrlässige Verletzung seiner Sorgfaltspflicht" ermöglicht, wie es in dem Artikel heißt. Das Institut war demnach auch überzeugt, dass der Mann seine PIN erneut eingegeben habe – und damit erst ein Ausspähen der Nummer ermöglichte.

Auch der Richter meinte letztlich, dass der Kunde den Betrug hätte bemerken können. Eine grobe Fahrlässigkeit liege jedoch nicht vor. Diese liege nur bei einem "Verstoß gegen die verkehrsübliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße" vor, so der Richter laut "Rhein-Zeitung". Das Gericht entschied, der Klage in Höhe von 2850 Euro stattzugeben. Übrigens: Der eigentliche Täter ist noch nicht gefasst. (bm)