Berenberg: Bafin ersetzt Geschäftsleitung durch Sonderbeauftragte
Die Finanzaufsicht Bafin greift bei der Hamburger Berenberg Bank durch. Die dreiköpfige Geschäftsleitung muss ihre Posten ruhen lassen, zwei Sonderbeauftragte übernehmen. Offenbar gab es Verstöße gegen die Corporate Governance.
Beben bei der Berenberg Bank. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat angeordnet, dass die Befugnisse der drei Geschäftsleiter der Bank – es handelt sich um die persönlich haftenden Gesellschafter Hendrik Riehmer, David Mortlock und Christian Kühn – seit Freitag (19.6.) ruhen. Das teilt die Hamburger Privatbank selbst mit.
Die Leitung des Traditionsinstituts liegt ab sofort in den Händen zweier Sonderbeauftragter, die die Bafin eingesetzt hat: der frühere Berenberg-Chef Hans-Walter Peters sowie der frühere Degussa-Bank-Vorstand Michael Horf. Die operative Führung, die Umsetzung der Geschäftsstrategie sowie Arbeitsplätze seien von den Veränderungen nicht betroffen.
Mögliche Corporate-Governance-Verstöße
Die Bafin begründet den Schritt laut der Mitteilung damit, dass sich bei der Jahresabschlussprüfung für 2025 "Hinweise auf mögliche Corporate-Governance-Verstöße ergeben" haben. "Dies betraf insbesondere bestimmte Markttransaktionen mit unklarem Hintergrund, bei deren Aufklärung die nötige Transparenz fehlte", heißt es weiter.
Weitere Details nennt die Mitteilung nicht. Der Entscheidung der Bafin ging offenbar eine längere Auseinandersetzung mit den Wirtschaftsprüfern über die Bilanz von Berenberg voraus, berichtete das "Handelsblatt". In der Vergangenheit hatte die Hamburger Bank ihre Geschäftszahlen immer im Januar oder im Februar veröffentlicht – bislang liegt noch immer kein testierter Jahresabschluss für 2025 vor. Der Zeitung zufolge soll es zudem Governance-Probleme bei der Genehmigung neuer Produkte gegeben haben.
Umfassender Umbau
Daher wird bis auf Weiteres Peters in der Geschäftsleitung den Bereich Markt und Kundenthemen verantworten, den Bereich Marktfolge verantwortet Horf. Unterstützt werden beide durch die erweiterte Geschäftsleitung bestehend aus Laura Janssens (Leiterin Investment Bank) und Frederik Gottlob (Leiter Corporate, Wealth and Asset Management).
Die hanseatische Privatbank hatte Ende 2025 einen umfassenden Umbau angekündigt. So reduzierte das Institut die Zahl seiner Geschäftsbereiche von drei auf zwei. Dabei legte die Bank das Wealth und das Asset Management mit der Unternehmensbank zusammen. Damit bleibt noch die Investmentbank als zweiter Zentralbereich. Einem Medienbericht zufolge erfolgte ein Stellenabbau im Asset Management. Den Bericht kommentierte die Bank nicht. (jb/ert)




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