Nächster Akt im Drama um den Vermögensverwalter Performance IMC: Die Mannheimer Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen elf Personen wegen des Verdachts der Marktmanipulation, der Untreue und des Betrugs eröffnet – darunter auch zwei ehemalige Vorstände des Vermögensverwalters, wie die Strafverfolgungsbehörde bekannt gab.

"Dabei wurden verfahrensgegenständliche Anleihen auch bei den Saphir- und Saphir Global Fonds platziert", heißt es im Schreiben der Staatsanwaltschaft, das der Redaktion vorliegt. Damit verdichten sich die Hinweise, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang mit drei von IMC als Fondsberater betreuten Portfolios gibt, die von Hauck & Aufhäuser als zuständiger Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) "eingefroren" wurden (FONDS professionell ONLINE berichtete exklusiv darüber). Konkret geht es um die in Deutschland nicht mehr zum Vertrieb zugelassenen Portfolios Diversified Strategic Asset Allocation Saphir 1 und 2, für die seit dem 7. Juli keine Anteilscheine mehr zurückgegeben werden können. Mittlerweile sind auch Anteilskäufe nicht mehr möglich. Dasselbe gilt für den Fonds Saphir mit seinen drei Anteilsklassen A, B und C.

Hauck & Aufhäuser sah sich zu diesem drastischen, aber wohl unvermeidlichen Schritt veranlasst, da ihr Informationen darüber vorlagen, dass die Werthaltigkeit eines Teils des Fondsvermögens möglicherweise nicht in vollem Umfang gegeben ist. Mit anderen Worten: Die Gesellschaft kann die korrekten Nettoinventarwerte der Fonds nicht berechnen.

Finanzaufsicht alarmiert
Die Strafverfolger nahmen die Ermittlungen auf, nachdem die Finanzaufsicht Bafin mehrere Anzeigen gegen Performance IMC gemacht hatte. Das Amtsgericht Mannheim erließ daraufhin Haftbefehl gegen zwei ehemalige Vorstände, die nach Informationen von FONDS professionell ONLINE Mitte Mai in Untersuchungshaft genommen wurden.

Performance IMC ist wegen der Vorgänge nicht mehr Mitglied im Verband unabhängiger Vermögensverwalter, betont aber in einem Schreiben, das die Redaktion am späten Freitagabend erreichte, man unterstütze die ermittelnden Behörden uneingeschränkt, "damit die im Raum stehenden Fragen vollumfänglich geklärt werden." Der Portfolioverwalter sei vollständig handlungsfähig – auch, weil sich das Ermittlungsverfahren ausdrücklich nicht gegen den amtierenden Vorstand Muhyddin Suleiman richte. "Die Bafin hat die Eignung und Zuverlässigkeit von Herrn Suleiman nicht in Frage gestellt", lässt IMC mitteilen.

Machenschaften seit 2009
Die Staatsanwaltschaft teilt derweil mit, Gegenstand ihres Ermittlungsverfahrens sei der Verdacht, "dass die Beschuldigten seit 2009 ein Firmengeflecht nutzten, um Anleihen auszugeben und diese zwischen Kapitalanlegern sowie kapitalanlegenden Fonds in abgesprochenen Geschäften an der Börse zu handeln." Mutmaßlich wurden in betrügerischer Absicht also fiktive Preise vereinbart, um eine Werthaltigkeit von substanzlosen Anleihen vorzutäuschen respektive Wertsteigerungen zu fingieren. Performance IMC betont in dem Zusammenhang allerdings, das betreffende Anleihevolumen sei zum Teil bereits vollständig oder nahezu komplett durch die Emittenten zurückgezahlt worden. Anderslautende Berichte über "verschwundene Gelder“ nennt IMC "nicht korrekt".

Nach derzeitigem Ermittlungsstand der Behörde handele es bei diesen Papieren um einen Bruchteil des von Performance IMC und den Fonds insgesamt verwalteten Anlagekapitals. "Das gesamte Volumen der noch ausstehenden Anleihen, die aktuell Gegenstand der Ermittlungen sind, beträgt in Summe circa 26 Millionen Euro", lässt Performance IMC in seiner Stellungnahme wissen. 

Wie geht es weiter? Nach Angaben der Mannheimer Behörde wertet das Landeskriminalamt Baden-Württemberg umfangreiches, in einer bundesweiten Durchsuchung gesichertes Beweismaterial aus. Die Ermittlungen dauern daher an. (jb/ps)