Die ohnehin schwache Ertragslage deutscher Banken gerät durch das Gebührenurteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zusätzlich unter Druck. Zu diesem Schluss kommt die Ratingagentur Fitch. Die Richter hatten entschieden, dass die Institute ein Stillschweigen der Kunden zu angekündigten Gebührenerhöhungen nicht als insgeheime Zustimmung werten dürfen. Vielmehr müssen die Geldhäuser eine explizite Zustimmung zu Preisänderungen einholen. Zudem droht den Banken, über die vergangenen Jahre eingesammelte Gebühren zurückerstatten zu müssen.

Neben den unmittelbaren Kosten für die Rückerstattung wirft das BGH-Urteil grundsätzliche Fragen zur Ertragslage der deutschen Geldhäuser auf, meinen die Bonitätswächter. Denn seit Jahren schwinden angesichts des Niedrigzinsumfelds die Zinseinnahmen der Institute. Anders als etwa bei den angelsächsischen Pendants bilden die Zinseinkünfte bei deutschen Banken mit einem Anteil von 65 Prozent die zentrale Säule des Geschäfts. Obwohl die Geldhäuser die Einnahmen aus Gebühren über die vergangenen fünf Jahre um 35 Prozent steigern konnten, gleicht dies nicht die Erosion der Zinserträge aus, so die Fitch-Experten. Auch die Finanzaufsicht Bafin hatte bereits vor massiven Folgen duch das Urteil gewarnt.

Auch Fintechs und Neobanken betroffen
Der Richterspruch könne aber nicht nur das Geschäft traditioneller Banken beeinträchtigen, führen die Ratinganalysten aus. Auch Fintechs und Neobanken könnten die Auswirkungen des Urteils zu spüren bekommen. Denn ihr Geschäftsmodell fußt oftmals darauf, Dienstleistungen zunächst umsonst anzubieten um Kunden anzulocken. Im weiteren Verlauf würde für die anfangs gebührenfreien Angebote aber dann doch ein Preis festgesetzt. Solche Lockangebote fallen eingedenk des BGH-Entscheids künftig weg – was es den Neulingen erschwere, Marktanteile zu erobern, so die Fitch-Analysten. (ert)