Es ist beschlossene Sache: Die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II tritt am 3. Januar 2018 in Kraft, die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union müssen das Regelwerk bis zum 3. Juli 2017 in nationales Recht gießen. Der deutschen Finanzbranche wird dann nur ein halbes Jahr Zeit bleiben, sich auf die neuen Vorgaben einzustellen. Antje Tillmann, finanzpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, glaubt jedenfalls nicht, dass die Umsetzung schneller geht.

"Danach sieht es im Moment nicht aus", sagt die Politikerin im Interview mit FONDS professionell. Das Gespräch ist in voller Länge in der aktuellen Heftausgabe 2/2016 zu lesen, die Ende Mai erschienen ist. Voraussichtlich werde es in der zweiten Jahreshälfte 2016 zur Beratung kommen, einen Abschluss erwartet Tillmann für das erste Quartal 2017. "Allerdings sehe ich bei den politischen Themen keine Veränderungen im Vergleich zum Referentenentwurf aus dem letzten Jahr", erklärt sie. Bei der Abschaffung des Beratungsprotokolls werde es ihres Erachtens bleiben.

"Beratungsprotokoll war ein Erfolg"
Gelänge es tatsächlich, das bisherige Protokoll durch eine Geeignetheitserklärung zu ersetzen, wäre das für Tillmann ein Schritt nach vorn. "Ich halte es aber zunächst einmal für einen Erfolg, dass wir das Beratungsprotokoll überhaupt eingeführt haben", erklärt sie. Immerhin musste damit zum ersten Mal schriftlich festgehalten werden, was in einer Anlageberatung passiert. Die Geeignetheitserklärung erreiche dasselbe Ziel, nur auf einem anderen Weg. Sie sei einfacher und übersichtlicher. "Daher weine ich dem Beratungsprotokoll keineswegs nach", sagt Tillmann.

Anders als manche ihrer Kollegen spricht sie sich nicht dafür aus, schriftliche Protokolle durch Tonaufnahmen zu ersetzen. "Mitschnitte hätten vermutlich oft einen viel größeren Umfang als notwendig", erklärt die Politikerin. Dies berge die Gefahr, dass sich der Kunde die Aufnahme nicht bis zum Schluss anhöre. Zudem sei bislang nicht klar, ob solche Aufzeichnungen im Falle eines Gerichtsprozesses als Beweismittel zugelassen wären. Darüber hinaus könnten sich unter Umständen Fragen des Datenschutzes auftun. Tonaufnahmen wären zudem aufwendig und teuer.

"Letztendlich ist der Kunde selbst verantwortlich"
"Ich plädiere dafür, dass man es mit der neuen Geeignetheitserklärung probiert und beobachtet, wie es läuft", sagt Tillmann. Zwar ließe sich an einem schriftlichen Protokoll nicht ablesen, ob ein Berater während des Gesprächs versucht habe, den Kunden in seiner Entscheidung für ein Finanzprodukt zu beeinflussen. In einer Tonaufzeichnung sei dies in der Tat zu hören, räumt die finanzpolitische Sprecherin ein. "Letzten Endes ist der Anleger für seine Entscheidungen aber selbst verantwortlich", sagt sie bestimmt. "Wenn er ein Produkt nicht verstanden hat, dann nützt ihm überhaupt kein Protokoll – ob schriftlich oder als Mitschnitt. Dann soll er die Finger davon lassen."

Auch zu dem von anderen Politikern gewünschten Modell einer Allfinanzberatung hat Antje Tillmann eine klare Position: "Zeigen sie mir doch mal den Steuerberater, der jedes Steuerthema bis in Detail beherrscht", sagt sie. Oder die Person, die über Investmentfonds, Zertifikate, Lebensversicherungen und Bausparen gleichermaßen kompetent beraten könne. "Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass das nötig ist, und ich glaube auch nicht, dass es machbar ist", erklärt die Politikerin. (am)


Im ausführlichen Interview mit FONDS professionell äußert sich die finanzpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Antje Tilmann auch dazu, warum sie Fondsgesellschaften nicht noch stärker unter Aufsicht stellen würde. Die Heftausgabe 2/2016 von FONDS professionell ist Ende Mai erschienen. Angemeldete Mitglieder des FONDS professionell KLUBs können den Artikel auch hier im E-Magazin lesen.