Einmal im Jahr bekommen rund 31 Millionen Bundesbürger wichtige Post von der Deutschen Rentenversicherung. Nach Ansicht von Experten sind die in der "Renteninformation" genannten Standmitteilungen und die Angaben zu den voraussichtlichen Einkünften im Alter irreführend. Bereits 2014 schrieb Peter Härtling; Präsident des Bundesverbandes der Ruhestandsplaner Deutschland (BDRD): "Vielen Versicherten vermittelt die Rentenprognose ein Gefühl der Sicherheit, das aber in keiner Weise aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Rahmendaten zu rechtfertigen ist." 

Sein Ruf scheint nun erhört worden zu sein. Eine Woche vor der Wahl bringt die CDU einen Vorschlag ein, der Element einer Rentenreform sein könnte: eine elektronische Renteninformation, die den Versicherten Klarheit verschaffen soll über ihre gesamten Alterseinkünfte. "Durch die Einführung eines digitalen Bürgerportals soll künftig sichergestellt werden, dass alle Verwaltungsdienstleistungen deutschlandweit elektronisch verfügbar sind", sagte Kanzleramtschef Peter Altmaier der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Ein noch zu schaffendes Online-Portal solle den Bürgern außerdem den Zugang zu einer unabhängigen Plattform bieten, die dann sämtliche Ansprüche aus gesetzlicher Rente, Betriebsrente und privater Vorsorge sicher, einfach und übersichtlich zusammenfasst.

Verwirrende Angaben
Dass die große Mehrheit der Deutschen keinen wirklichkeitsgetreuen Überblick über ihre tatsächlichen Rentenansprüche hat, zeigte unlängst eine Studie unter Federführung des Vereins Deutsche Renten Information (DRI) und der Frankfurter Goethe-Universität. Demnach können 70 Prozent der insgesamt mehr als 12.000 befragten Bürgerinnen und Bürger ihre Gesamtrente nicht einmal ungefähr einschätzen.

Ein wesentlicher Grund: Daten zu den gesetzlichen, betrieblichen und privaten Rentenansprüchen sind uneinheitlich aufbereitet. "Wir fordern von der neuen Bundesregierung die Einführung einer Informationsplattform für einen transparenten und verständlichen Gesamtüberblick über alle persönlichen Rentenansprüche", fordert daher Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands. Eine neutrale Informationsplattform könnte den notwendigen Durchblick schaffen, um Versorgungslücken offenzulegen und Anreize zur Vorsorge zu schaffen.

Gesprächsanlass für Vorsorgeprofis
Andernorts, beispielsweise in den skandinavischen Ländern, gibt es eine derartige Plattform längst. "Wer in Dänemark, Schweden oder Norwegen lebt, kann auf einen Blick und datenschutzrechtlich einwandfrei den aktuellen Stand aller seiner Renteneinkünfte aus den verschiedenen Säulen der Alterssicherung einsehen", sagt der Ökonom Andreas Hackethal, Vorstandsvorsitzender des DRI, laut FAZ. Der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrates, Wolfgang Steiger, ergänzt: "Je transparenter für die Bürger ihre Versorgungslücken werden, desto eher können wir sie zu mehr Altersvorsorge anregen."

Beobachter versprechen sich hiervon auch Erleicherungen für professionelle Vorsorgeberater. "Es wäre doch ein guter Einstieg in ein Gespräch, wenn etwa ein Versicherungsmakler fragen würde: 'Haben Sie denn schon mal auf Ihr Online-Rentenkonto geschaut?'", sagt Klaus Morgenstern vom Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) in Berlin.

Steiger plädiert für ein Informationssystem, das unabhängig von der Rentenversicherung, vom Fiskus und von der Versicherungswirtschaft gestaltet sein sollte. "Wenn alle Rentenvorschläge künftig für jeden einzelnen Beitragszahler ein individuelles Preisschild tragen, sind die absurdesten Forderungen ganz schnell vom Tisch", ist Steiger überzeugt. " (ps)