Die Commerzbank hat sich mit einem Kunden, der Opfer eines betrügerischen Ex-Beraters geworden war, vor Gericht über eine Ausgleichszahlung geeinigt. Der Skandal-Banker selbst sitzt bereits seit Mitte Dezember in Haft, wie die "Wolfsburger Nachrichten" berichten.

Der frühere Kundenberater der Commerzbank-Filiale Wolfsburg hatte demnach zwei Jahre lang ungestört Kundenkonten geplündert. Der 25-Jährige suchte sich laut der Zeitung gezielt Kunden aus, die älter und seit Jahren nicht mehr in der Filiale gewesen waren. 

Sportwagen – und keiner nimmt Anstoß
Dabei ergaunerte er in Summe 279.000 Euro und finanzierte sich damit ein Luxusleben. Dass er mit Sportwagen zur Arbeit kam und Maßanzüge trug, hatte offenbar auch unter den Kollegen niemanden misstrauisch gemacht. Erst als eine Mitarbeiterin ihre gefälschte Unterschrift auf einem Auszahlungsbeleg entdeckte, wurde der Banker erwischt. Dafür hatte ihn das Landgericht Braunschweig vergangenes Jahr zu mehr als fünf Jahren Haft verurteilt.

Ein pensionierter Lehrer, dessen Aktiendepot der Banker heimlich aufgelöst hatte, verklagte daneben das Geldinstitut auf Schadenersatz. Der Lehrer erlitt laut der Zeitung finanzielle Verluste von 22.000 Euro – so seine eigene Rechnung. Er besaß Aktien der Deutschen Telekom, vom Likörproduzenten Berentzen, dem britischen Hygiene-Dienstleister Rentokil sowie einen Allianz-Fonds. 

Vergleich über 19.000 Euro
Da er die Aktien schon vor 2009 erworben hatte – also dem Jahr, in dem die Abgeltungsteuer eingeführt worden war, – wären bei einem Verkauf sämtliche Kapitalerträge steuerfrei gewesen. Zudem macht der Pädagoge geltend, dass ihm wegen des unauthorisierten Verkaufs druch den Betrugsbanker weitere Kursgewinne aus den Aktien entgangen seien. In anderen Fällen konnte sich die Commerzbank mit den Opfern des Ex-Beraters einigen, nur im Fall des Lehrers zog es sich hin.

Da das Institut dem Opfer die abgeltungsteuerfreien Aktien nachträglich nicht mehr ins Depot zurückbuchen und auch das Landgericht die Bank nicht dazu verdonnern konnte, blieb nur ein Ausgleich. Darüber stritten sich beide Seiten jetzt. "Sowohl der Kläger als auch die Anwälte der Commerzbank hatten im Vorfeld viel gerechnet. Es wurde ein Vergleich über 19.000 Euro geschlossen", zitieren die Wolfsburger Nachrichten eine Sprecherin des Gerichtes. (jb)