Die neuen Regeln zum Verbraucherschutz der Finanzmarktrichtlinie Mifid II schrecken Anleger eher ab, als dass sie die Vorschriften als hilfreich erachten. Dies sagte Michael Mandel, im Vorstand der Commerzbank für das Privatkundengeschäft zuständig, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur DPA. "Die Kunden lehnen Mifid II ab – und die Beratung ist durch das Regelwerk nicht besser geworden", so der Manager.

Die Finanzmarktrichtlinie Mifid II war Anfang 2018 in Kraft getreten. Sie sieht neben Kontrollmechanismen für den professionellen Wertpapierhandel auch umfangreiche Aufklärungs- und Prüfpflichten für den Vertrieb von Finanzprodukten an Privatanleger vor. So soll sichergestellt werden, dass Kunden nur für sie passende Wertpapiere angeboten werden. Zudem müssen die Finanzdienstleister etwa Beratungsgespräche am Telefon aufzeichnen und archivieren.

Anleger umgehen die Regeln
Doch viele Kunden würden alles versuchen, um die neuen Regeln zu umgehen, berichtet Mandel in dem DPA-Interview. Sein Haus verzeichne einen Rückgang der Order aus herkömmlichen Beratungsgesprächen vor Ort um 40 Prozent und bei Telefonorders sogar um 60 Prozent – bei einer insgesamt gleichbleibenden Anzahl von Wertpapieraufträgen. Stattdessen würden die Anleger nunmehr online ordern oder einen Vermögensverwaltungsvertrag eingehen.

"Die Menschen in Deutschland haben Mifid abgewählt", folgert der Commerzbank-Manager daher. "Die Kunden verstehen nicht, was wir da beim Thema Anlageberatung regulatorisch machen müssen." Mandel fordert daher, Mifid II zu überarbeiten. "Es braucht Regulatorik, es braucht Verbraucherschutz. Aber auch Verbraucherschutz muss differenzieren", argumentiert der Commerzbank-Vorstand. "Es ist falsch, per se von Kunden auszugehen, die sich noch nie mit Wertpapieren beschäftigt haben." (ert)