Ulf Johannemann wird die Weihnachtsfeiertage wohl zuhause verbringen können: Der wegen Gutachten für sogenannte "Cum-Ex-Geschäfte" inhaftierte einstige Steuer-Chef der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer kann die Untersuchungshaft bald verlassen. Ein von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt wegen Fluchtgefahr erwirkter Haftbefehl ist außer Vollzug gesetzt worden. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Hintergrund der Entscheidung ist, dass Angeklagte und ihre Verteidiger während der Untersuchungshaft einen sogenannten "Haftprüfungsantrag" stellen können. Dann werde unter anderem geprüft, ob die Gründe für den ursprünglichen Haftgrund weiter vorliegen und ob die Untersuchungshaft verhältnismäßig sei. Im Fall von Johannemann sprach dann unterm Strich nichts gegen eine Aussetzung des Vollzugs – unter der Erteilung umfangreicher Auflagen. Der Jurist muss etwa eine Kaution in Höhe von vier Millionen Euro hinterlegen.

Gegen Johannemann und einen weiteren noch aktiven Freshfields-Anwalt ermitteln die Strafverfolger schon seit langem wegen mutmaßlicher Beihilfe zur schweren Steuerhinterziehung. Sie sollen die mittlerweile insolvente Frankfurter Maple Bank beraten haben, die sogenannte Cum-Ex-Aktiengeschäfte (FONDS professionell ONLINE erklärte) getätigt hatte. Durch diese Geschäfte sind dem deutschem Fiskus Milliarden an Euro entgangen. (jb)