Jeder zweite Versicherer (53 %) in Deutschland berichtete über mindestens eine Form von Cybercrime* – damit liegt die Versicherungswirtschaft über dem Durchschnitt aller Branchen (46 %). Das ist das Ergebnis der neunten branchenübergreifende Studie zur Wirtschaftskriminalität, die im Auftrag von PwC und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg durchgeführt wurde.

Im Vergleich zur letzten Studie von 2016 haben die Fälle von Cybercrime in der Versicherungswirtschaft mit einem Anstieg um 19 Prozentpunkte stark zugenommen – das ist mehr als im branchenübergreifenden Vergleich (12 %). Im Unterschied zur analogen Wirtschaftskriminalität ist somit eine wachsende Bedrohung durch Cybercrime zu beobachten. Gleichwohl unternimmt ein Drittel der Versicherer möglicherweise zu wenig gegen diese Risiken. Nur 69 Prozent gaben an, das Thema Cybercrime und die damit verbundenen Rechtsgebiete über ein Compliance-Managementsystem (CMS) anzugehen.

Von welchen Deliktarten die deutschen Versicherer am meisten betroffen waren, finden Sie in unserer Fotostrecke oben. (mb)

*Cybercrime umfasst Delikte, die mittels gezielter Ausnutzung elektronischer Systeme und Kommunikationsmittel begangen wurden (auch: cyber-dependent crimes). Ausgeschlossen wurden Delikte, bei denen der Computer oder das Internet nur beiläufig gewählt wurden, etwa um die Begehung eines Betrugs zu vereinfachen.


Über die Studie:
Von Juli bis September 2017 interviewte Kantar Emnid in Deutschland 500 Unternehmen. Bei der vorliegenden Studie handelt es sich um eine Sonderauswertung der Ergebnisse von 40 Unternehmen aus der Versicherungswirtschaft, die mit den Ergebnissen vorhergehender Studien verglichen wurden. Aufgrund der Stichprobenziehung können die Ergebnisse als repräsentativ gelten. Die meisten Befragten in der Versicherungswirtschaft sind in der Compliance-Abteilung tätig (40 %). Die übrigen Interviewpersonen stammen aus den Bereichen Recht (28 %), Revision (20 %) und Finanzen (18 %) sowie aus sonstigen Bereichen.