Bei der Bekämpfung von Geldwäsche-Geschäften gibt es nach Informationen des Recherche-Netzwerks International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) offenbar enorme Defizite. Dies sollen am Sonntag (20. September) bekannt gemachte Dokumente aus dem Financial Crimes Enforcement Network (Fincen), einer dem US-Finanzministerium unterstellten Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche, zeigen. Darüber berichten diverse Medien, unter anderem die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) und das "Handelsblatt". 

Nach ICIJ-Recherchen haben internationale Großbanken über Jahre hinweg Geschäfte mit einer hochriskanten Klientel abgewickelt. Trotz strenger Auflagen sollen sie mutmaßliche Kriminelle als Kunden akzeptiert und für in deren Auftrag Überweisungen in Milliardenhöhe getätigt haben. Gemeldet haben sie diese Vorgänge den Angaben zufolge zuweilen erst mit jahrelanger Verspätung. Auch bei deutschen Finanzinstituten soll es solche Vorgänge gegeben haben – in erster Linie bei der Deutschen Bank.

2.100 Verdachtsmeldungen zwischen 2000 und 2017
Den Informationen liegt eine gemeinsamen Recherche mehrerer Medien-Partner zugrunde, die unter dem Namen "Fincen-Files" veröffentlicht wurde. Das amerikanische Onlinemedium "Buzzfeed News" soll die Unterlagen mit dem Netzwerk ICIJ geteilt und so eine Recherche von 110 Medien aus 88 Ländern ermöglicht haben. In Deutschland recherchierten unter anderem der NDR, der WDR und die SZ. Insgesamt handelt es sich nach Angaben der Beteiligten bei den "Fincen-Files" um mehr als 2.100 Geldwäsche-Verdachtsmeldungen aus den Jahren 2000 bis 2017. Die Gesamtsumme der Transaktionen liege bei etwa zwei Billionen US-Dollar (1,69 Billionen Euro), schreibt die SZ.

"Spitzenreiter" soll den Angaben zufolge die Deutsche Bank sein. Zu keinem anderen Institut fänden sich in den Dokumenten derart viele verdächtige Überweisungen wie zu Deutschlands größtem Geldhaus: 982 Geldtransfers von dubiosen Personen oder Unternehmen sollen zwischen 2001 und 2017 über die Deutsche Bank getätigt worden sein. Die Bank mit den zweitmeisten verdächtigen Positionen, die Bank of New York Mellon, soll auf 325 Fälle kommen.

Datensatz könnte unvollständig sein
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Deutsche Bank unbedingt die "erste Adresse" für zweifelhafte Geschäfte wäre. Wie die ICIJ-Journalisten selbst feststellen, könnte der Datensatz unvollständig sein. Auch sei die Zusammensetzung der geleakten Daten "womöglich nicht repräsentativ", schreibt die SZ.

Allerdings bringen die Recherche-Ergebnisse einen alten Vorwurf wieder aufs Tapet: 2017 zahlte die Deutsche Bank in einem Vergleich 600 Millionen Dollar (508,4 Millionen Euro) an US-amerikanische und britische Behörden. Dem Unternehmen wurde damals vorgeworfen, zweifelhafte Geschäfte nicht unterbunden zu haben. Bislang ging es um zehn Milliarden US-Dollar (rund 8,5 Milliarden Euro), die in der Moskauer Filiale der Deutschen Bank "gewaschen" und ins internationale Finanzsystem geleitet worden sein sollen. 

Konsequenzen gezogen
Die nun geleakten Unterlagen sollen den Investigativ-Medien zufolge nahelegen, dass diese Geschäfte fortgesetzt wurden, als die Aufsichtsbehörden längst ermittelten. Inzwischen ist von 16 Milliarden US-Dollar (rund 14 Milliarden Euro) die Rede. Die Deutsche Bank habe auf Anfrage der Nachrichtenagentur DPA am Sonntag mitgeteilt, das ICIJ habe über eine Reihe "historischer Themen" berichtet. Soweit sie die Deutsche Bank beträfen, seien diese den Aufsichtsbehörden längst bekannt. Die Themen seien untersucht, es habe Einigungen mit Behörden gegeben.

"Wo nötig und angemessen, haben wir Konsequenzen gezogen. Die Bank hat massiv in die Verbesserung der Kontrollen investiert, und wir konzentrieren uns mit Nachdruck darauf, unseren Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen nachzukommen", sagte ein Sprecher der DPA. (am)