Die Abkürzung "DSGVO", die bekanntlich für die 2018 viel diskutierte und im Mai in Kraft getretene europäische Datenschutz-Grundverordnung steht, ist besonders häufig als "Unwort des Jahres" vorgeschlagen worden. Dies berichten verschiedene Medien, unter anderem die Nachrichtenagentur dpa und die "Welt". Bei den Vorschlägen handele es sich aber um ein klassisches Missverständnis, sagte die Sprecherin der sprachkritischen Jury, Nina Janich, der dpa. 

Die Einsender ärgerten sich eigentlich über die Sache an sich und weniger über den Begriff. Die Jury entscheide aber ohnehin nicht nach der Häufigkeit eines Vorschlags. Sie kritisiere vielmehr Formulierungen, die gegen das Prinzip der Menschenwürde und Grundsätze der Demokratie verstoßen, weil sie einzelne gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend sind. 

"Asyltourismus" am meisten genannt
Bis Anfang Dezember seien 722 Mails und Postsendungen mit 417 verschiedenen Begriffen bei der Jury eingegangen. Bei den meisten Vorschlägen für das "Unwort des Jahres" geht es um die Flüchtlingspolitik. Am häufigsten sei der Begriff "Asyltourismus" genannt worden, den der CSU-Politiker Markus Söder benutzt hatte. Auch die von CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt gebrauchte Formulierung "Anti-Abschiebe-Industrie" finde sich öfters unter den Vorschlägen, sagte Janisch der dpa. 

Die Jury, die das "Unwort des Jahres" kürt, besteht aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten. Das Gremium arbeitet institutionell unabhängig, die Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich. Das "Unwort des Jahres wird am 15. Januar 2019 bekannt gegeben. (am)