Die Frage, ob es künftig erlaubt sein sollte, persönliche Beratungsgespräche mitzuschneiden, ist in den vergangenen Monaten immer wieder kontrovers diskutiert worden. Nun stelt sich heraus: Im aktuellen Referentenentwurf für das Zweite Finanzmarktnovellierungsgesetz (Fimanog) ist eine Aufzeichnung vorgesehen – neben der Möglichkeit, ein schriftliches Protokoll anzufertigen. Dies sagte Elisabeth Roegele, Exekutivdirektorin Wertpapieraufsicht bei der Bafin, im Interview mit FONDS professionell. "Sowohl der europäische Level II als auch der Referentenentwurf stellen beide Möglichkeiten nebeneinander", so Rogele.

Nach dem Inkrafttreten der nationalen Umsetzung der Finanzmarktrichtlinie Mifid II hätten Berater damit die Möglichkeit, das Gespräch auf einem sogenannten "dauerhaften Datenträger" aufzuzeichnen, statt ein Protokoll anzufertigen. "Dies gilt natürlich nur, sofern der Kunde zustimmt", sagt Roegele. Mifid II definiere einen dauerhaften Datenträger dahingehend, dass darauf befindliche Informationen ständig einsehbar sein müssen und nicht nur flüchtig sein dürfen. "Darunter können auch Tonträger fallen", erklärt Rogele.

Politker hatten sich unterschiedlich geäußert
Das überrascht, da Poltiker sich zuvor sehr unterschiedlich zum Thema Mitschnitt von Beratungsgespächen geäußert hatten. So hatte etwa Axel Troost, finanzpolitischer Sprecher der Linken im Bundestag, in einem Interview mit FONDS professionell ONLINE erklärt, Tonaufzeichnungen könnten eine gute Variante sein. Er glaube jedoch nicht, dass die Bundesregierung Mitschnitte für persönliche Beratungsgespräche einführen werde, weil dies für einen Aufschrei in der Branche sorgen könnte (Lesen Sie dazu auch den Kommentar von FONDS professionell-Chefredakteur Bernd Mikosch "Tonaufnahmen vom Beratungsgespräch: Wirklich so schlimm?").

Die finanzpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Antje Tillmann hatte in einem Interview mit FONDS professionell hingegen gesagt, Tonaufnahmen wären aufwendig und teuer. "Mitschnitte hätten vermutlich oft einen viel größeren Umfang als notwendig", erklärte die Politikerin. Dies berge auch die Gefahr, dass sich der Kunde die Aufnahme nicht bis zum Schluss anhöre, um das Beratungsgespräch noch einmal Revue passieren zu lassen. Darüber hinaus könnten sich unter Umständen Fragen des Datenschutzes auftun.

Taping in telefonischer Beratung verpflichtend
In der telefonischen Beratung ist eine Aufzeichnung ("Taping") ohnehin vorgesehen. Hier müssen Berater die Ordererteilung und alles, was potenziell zu einer Order führen könnte, aufnehmen. "Bei Telefongesprächen könnte die Umsetzung in der Praxis manchmal nicht ganz einfach sein", gibt Elisabeth Roegele zu bedenken. Schließlich sei im Vorhinein nicht immer klar, wie sich ein Kundengespräch entwickelt. Dies könne dazu führen, dass etwa Berater bei Banken und Sparkassen eher auf Nummer sicher gehen würden und "lieber ein bisschen mehr aufnehmen", ist Roegeles Ansicht. (am)


Das gesamte Interview mit Elisabeth Roegele, der Exekutivdirektorin Wertpapieraufsicht bei der Bafin, lesen Sie in der Heftausgabe 4/2016 von FONDS professionell, die Ende November erscheint.