Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA hat erneut den Vertrieb von zwei hochspekulativen Finanzinstrumenten an Kleinanleger verboten oder zumindest massiv eingeschränkt. Die Maßnahmen der Behörde gelten zunächst wieder für drei Monate, danach muss die ESMA erneut entscheiden. Entsprechende Anordnungen hatte die Aufsicht bereits Ende 2017 angekündigt und im März des laufenden Jahres zum ersten Mal in Kraft gesetzt. Die ESMA begründet diese mit dem Schutz von Anlegern, da diese beiden Produktsorten zu Totalverlusten führen können.

Damit bleiben sogenannte binäre Optionen weiter verboten. Diese Hebelprodukte stellen eine Wette auf ein zuvor definiertes Ereignis wie das Erreichen eines bestimmen Kurszieles dar. Tritt dieses ein, erhält der Käufer einen festgelegten Betrag, andernfalls verfällt die gekaufte Option wertlos.

Vertrieb von CFDs nur mit Einschränkungen 
Der Vertrieb und Verkauf von Differenzkontrakten (Contracts for Difference, CFDs) ist weiter eingeschränkt. Mit diesen Derivaten wetten Anleger auf die Kursentwicklung eines Basiswertes wie Aktien oder einem Währungspaar. Wegen des gehebelten Kapitaleinsatzes droht aber ein Totalverlust. Hier bleiben daher Hebel-Obergrenzen (Leverage-Limits) abhängig vom Basiswert in Kraft.

Ferner gilt eine sogenannte Margin-Glattstellungsvorschrift ("Margin-Close-out") auf Einzelkontobasis: Dabei wird der Prozentsatz der Margin, bei dem CFD-Anbieter ein oder mehrere CFD eines Kleinanlegers glattstellen müssen, auf 50 Prozent der erforderlichen Mindest-Margin standardisiert. Darüber hinaus gelten Beschränkungen für Anreize, mit denen Kleinanlegern Investitionen schmackhaft gemacht werden, sowie die Vorgabe standardisierter Risikowarnungen.

Verbot von CFDs mit Nachschussplicht
Die fünfte Maßnahme der ESMA betrifft CFDs mit Nachschussplicht, die zu einem Verlust führen können, der über dem eingesetzten Kapital liegt: Diese hat die EU-Behörde vollständig verboten, es gilt ein "Negativsaldoschutz auf Einzelkontobasis". Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hatte diese Kategorie von Differenzkontrakten bereits im Mai 2017 vom Markt genommen. Dieses Verbot gilt unabhängig weiter von der Verfügung der ESMA. (jb)