Der EU-Ministerrat hat als letzte der drei europäischen gesetzgebenden Institutionen die Verordnung für eine europäische Einheitsrente, das "Pan-European Personal Pension Product" (Pepp), durchgewunken. Zudem hat der Rat Verbesserungen für den europaweiten Vertrieb von Investmentfonds beschlossen, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht. Beide Rechtsvorschriften werden am 20. Juni im EU-Amtsblatt veröffentlicht und treten 20 Tage später in Kraft. Die Pepp-Verordnung umfasst in englischer Sprache mehr als 160 Seiten. Der wichtigste Punkt aus Sicht von Vertrieben und Vermittlern: Es gibt einen Kostendeckel – zumindest in der Basisversion 

Die EU-Kommission startete das "Projekt Pepp" im Juli 2017. Ziel war und ist ein einheitlicher Binnenmarkt für Altersvorsorgeprodukte. Die Verordnung schafft daher laut offizieller Sprachregelung die Voraussetzungen für ein privates Altersvorsorgeprodukt, das die anderen bestehenden nationalen gesetzlichen, betrieblichen und privaten Rentenangebote ergänzt. "Es ist europaweit einheitlich gestaltet und kann von unterschiedlichsten Stellen angeboten werden, etwa von Versicherungsunternehmen, Banken, Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung, Investmentfirmen und Vermögensverwaltern", heißt es in der Mitteilung. Wichtig: "Pepps" sollen in anderen EU-Länder problemlos übertragbar sein.

Kapitalschutz vorgeschrieben
So weit, so gut. Ob Anbieter von Finanzprodukten und Vertriebe sich aber vor Freude überschlagen werden, entsprechende Produkte anzubieten, bleibt abzuwarten. Die Verordnung schreibt vor, dass die jährlichen Gesamtgebühren für ein "Basis-Pepp", also Kosten seitens des Anbieters und Provisionen, zusammen ein Prozent des eingezahlten Kapitals nicht überschreiten dürfen. Alle Angaben hierzu müssen ferner in einem "Key Investors Document" (KID) enthalten sein. 

Die genaue Ausgestaltung der Kostenstruktur obliegt der EU-Versicherungsaufsicht Eiopa. Die Behörde soll in dem Zusammenhang auch dafür sorgen, dass die Kosten, die Versicherer, Banken oder Asset Manager haben, vergleichbar sind und keiner dieser Anbieter benachteiligt wird. Diese müssen aber die Herausforderung meistern, dass die Altersvorsorgeprodukte eine Kapitalgarantie beinhalten müssen, wenngleich keine harte. Ziel ist, dass am Ende der Ansparphase mögliche zwischenzeitliche Verluste ausgeglichen werden. Allerdings ist es grundsätzlich erlaubt, auch Alternativen zu dem Basis-Pepp-Produkt anzubieten. Hierzu finden sich in der Verordnung aber kaum weitere Infos und Vorgaben.

Die Kosten für eine Übertragung sollen sich auf die tatsächlichen Aufwendungen beschränken, die der abgebende Pepp-Anbieter für den Transfer berechnen muss. Auch hier gibt es einen Deckel, und zwar 0,5 Prozent der investierten Assets.

Vertriebsverbesserungen
Die angestrebten Verbesserungen des europaweiten Fondsvertriebes zielen vor allem auf Vorschriften für Marketing-und Vertrieb von UCITS- sowie alternativen Investmentfonds (AIF). Die neue Verordnung soll dafür sorgen, dass die von nationalen Finanzaufsichtsbehörden errichteten Hürden fallen. So sollen etwa EU-weit die gleichen Standards für Marketing-Anzeigen von UCITS und AIF gelten. Weiter wird die EU-Wertpapieraufsicht ESMA eine zentrale Datenbank mit den Zusammenfassungen der nationalen Anforderungen an Marketing-Anzeigen und entsprechenden Hyperlinks erstellen – sodass die Anbieter schneller Zugang zu den Informationen erhalten.

Und ganz wichtig: Die nationalen Behörden werden auch künftig eine Vorab-Mitteilung über Vertriebsmaßnahmen in einem Land erhalten. Allerdings muss sie nun in einem bestimmten Zeitrahmen die Prüfung abschließen. Ein Hinhalten soll nicht mehr möglich sein. (jb)